Martin Recke

Co-Founder @nextconf, corporate editor @AccentureSong, PR guy, blogger, journalistic background, political scientist, theology, singer, father, landlord, roman-catholic.

Schreiben wir für Google?

Sam Zell, vor kurzem Eigentümer einer Reihe großer US-Tageszeitungen geworden, hat mit einer kleinen Bemerkung für große Erregung gesorgt:

„If all of the newspapers in America did not allow Google to steal their content, how profitable would Google be?“ Zell said during the question period after his speech. „Not very.“

Dagegen ist leicht eingewendet, dass Google News nur Überschriften und Textauszüge verwendet und ansonsten direkte Links zur Quelle setzt. Von Diebstahl keine Rede.

Aber: Wenn Google tatsächlich das Betriebssystem der Werbung baut (und das hat Eric Schmidt nun bestätigt), dann muss die Frage vielleicht etwas anders gestellt werden:

It could be that Zell is brilliant, and is saying something that simplifies the truth to make a bigger point, and he doesn’t mind if you think he’s inept if some people get the bigger picture — which is he thinks of the Internet and Google as being the same thing, and you know what — I bet a lot of other people do too, and they have a point. Like the public radio stations, maybe we’re fooling ourselves if we think we’re not writing for Google, as they are fooling themselves into thinking they’re not creating for NPR. We want to cling to our theory that each of us is independent of the others, but what if he’s right, and it’s us vs them.

„Für wen schreiben wir? Und warum?“, fragt Doc Searls:

All kinds of deals may be possible between news organizations and Google. Some conceivably could alter the simple matter of who we’re writing for. It might not just be ourselves.
If Web = Google comes to look like a fact for a critical mass of people and organizations, then we will all become part of the same commercial ecosystem: one controlled by a single company.

Warum Marketing in Second Life nicht funktioniert

Dass die Marketing-Aktivitäten von Unternehmen in Second Life meist auf nur geringe Akzeptanz stoßen, wissen wir spätestens seit einer Studie der Hamburger Agentur Komjuniti – nomen est omen: sie baut Communities. Komjuniti hat 200 Avatare in Second Life nach ihrer Meinung gefragt, das Ergebnis war eher niederschmetternd.

Wagner James Au liefert bei GigaOM jetzt drei Gründe dafür. Die ersten beiden sind eher marketingtechnischer Natur, aber beim dritten geht es dann zur Sache:

To play in Second Life, corporations must first come to a humbling realization: in the context of the fantastic, their brands as they exist in the real world are boring, banal, and unimaginative. Car companies are trying to compete with college kids who turn a virtual automotive showroom into a 24/7 hiphop dance party, and create lovingly designed muscle cars that fly, and auction off for $2000 in real dollars at charity auctions.

Fashion companies have it even harder. A thriving homegrown industry of avatar clothing design (free of production costs and overseas mass production) already exists, largely ruled by housewives with astounding talent and copious amounts of time, and since the designers are popular personalities in Second Life (whose avatars become their brand), they enjoy– and frankly deserve– the home team advantage.

Faced with such talented competition, smart marketers should concede defeat, and hire these college kids and housewives to create concept designs and prototypes that re-imagine their brands merged to existing SL-based brands which have already proved themselves in a world of infinite possibility. Or as the Komjuniti study suggests, they can keep building sterile shopping malls, and continue wondering why Residents prefer nude dance parties, giant frogs singing alt-folk rock, and samurai deathmatches– and often, all three at the same time.

Wie Produkte und Geschäftsmodelle aussehen, die in Second Life tatsächlich funktionieren, darüber spricht Rainer Mehl, Leiter Strategy & Change Consulting bei IBM Deutschland und Nordosteuropa, im Track Parallelwelten auf der next07. Er untersucht, womit reales Geld verdient werden kann und betrachtet Second Life als Möglichkeit, zukünftige Geschäftsmodelle zu testen und bestehende zu erweitern. Zahlreiche Forscher, Ingenieure, Entwickler und Berater von IBM arbeiten bereits in Second Life.

Spreadshirt ist kein Web 2.0

Brisante Enthüllungen von Lukasz Gadowski. Und es kommt noch besser: Die next07, auf der er referieren wird, ist kein Web-2.0-Kongress.
Der Begriff Web 2.0 ist in Deutschland nicht über das Stadium relativ unreflektierter Begeisterung hinausgekommen, gepaart mit bräsiger Ernüchterung nach dem Motto „Das haben wir doch schon immer so gemacht“. Vermutlich haben einfach zu wenige Leute Tim O’Reilly gelesen (und verstanden).
Web 2.0 war 2006. In Deutschland.

Baron zur Deutschen Bank

Erst hatte ich die Meldung für einen Aprilscherz gehalten, aber jetzt scheint es ernst zu sein. Sein lakonisches Editorial von Anfang März liest sich nun als Abschied vom Journalismus:

Was hat es mit Qualität zu tun, wenn Unternehmer und Politiker nur kontrolliert und formatiert zu erleben sind – wie in traditionellen Medien üblich? Was hat es mit Qualität zu tun, wenn Hunderte von Journalisten mehr oder weniger gleich über ein und dasselbe Ereignis berichten, denselben Film besprechen, dasselbe Fußballspiel kommentieren? Das lässt sich ebenso gut als Geldverschwendung bezeichnen.

Wir sollten der Wirklichkeit endlich ins Auge sehen: Die Welt wird auch für uns in den Medien immer flacher. Wir traditionellen Journalisten verlieren zunehmend die Kontrolle, müssen uns wohl oder übel daran gewöhnen, bald niemandem mehr einfach etwas vorsetzen, sondern bestenfalls zu einem gemeinsamen Diskurs einladen zu können. Aus unseren Produkten werden Netzwerke, aus Content-Lieferanten Service-Provider, aus Sprechern Gesprächsteilnehmer – oder, wenn wir ganz viel Glück haben, Moderatoren.

Na und?

in PR | 168 Wörter

Fischmarkt und BooCompany fusionieren

Gerüchte im Markt zwingen uns, schon heute mit dieser Nachricht an die Öffentlichkeit zu gehen: Fischmarkt und BooCompany schließen sich zusammen. Das gemeinsame Unternehmen wird unter dem Namen BooMarkt FischCompany firmieren.
Chief Blogging Officer wird Rainer Meyer. BooCompany-CEO Lanu hat sich bereits in den einstweiligen Ruhestand zurückgezogen und wird das Unternehmen verlassen.
Mit dem Zusammenschluss wird der Fischmarkt als Plattform für aussichts- und erfolgreiche Startups profiliert, während BooCompany seine bewährten Stärken in der Beobachtung aussichts- und erfolgloser Unternehmen einbringt. Beide Websites werden rechtzeitig zur next07 Anfang Mai in neuem Design erscheinen, SuperCompany wird in den Fischmarkt integriert. Rebellen ohne Markt heißt künftig Rebellen mit Markt.
Mike Arrington hat Recht„, erläutert Matthias Schrader den Hintergrund der Fusion. „Der Markt bewegt sich in Zyklen, und der Abschwung folgt auf den Aufschwung so sicher wie das Amen in der Kirche. Mit BooMarkt FischCompany sind wir für alle denkbaren Szenarien bestens positioniert.“
„Meine Devise ist: If you can’t beat ‚em, join ‚em“, betont der künftige CBO Rainer Meyer. „Mit Rebellen ohne mit Markt, der Blogbar und dem Fischmarkt habe ich künftig für jedes Thema die optimale Plattform. Außerdem freue ich mich, nach längerer Pause wieder auf BooCompany zu schreiben.“
„Ich bin glücklich, BooCompany endlich auf eine stabile wirtschaftliche Basis stellen zu können“, erklärt Lanu. „Bei Rainer Meyer weiß ich zudem mein Kind in guten Händen. Seine herausragenden Qualitäten als Schreiber, Blogger und Journalist werden BooMarkt FischCompany zu neuen Ufern führen.“

Beyond the browser

Adobe Apollo ist auf meinem Radarschirm, seit es Daniel Scheerer in einem Kommentar als so etwa die beste Erfindung seit aufgeschnittenem Brot darstellte. Es steht für einen Trend zum Offline-Web und zu Web-Anwendungen, die sich vom Browser und damit vom klassischen Paradigma einer Seite im Web lösen.

Für den fälligen Grundsatzartikel auf dem Fischmarkt hat es bis jetzt nicht gereicht. Freundlicherweise hat sich nun Markus Breuer gründlich mit der Materie befasst.

Apollo macht es möglich, mit web-typischen Entwicklungswerkzeugen wie HMTL, JavaScript und Flash, Anwendungen zu entwickeln, die unabhängig von einem Browser (und sogar unabhängig von einer Internet-Verbindung) funktionieren.

Nach ausführlichem Tech-Talk kommt er zu diesem Schluss:

Spannend! Apollo hat m.E. wirklich das Zeug, quasi ein Acrobat für Anwendungen zu werden. Abwarten muss man natürlich, inwieweit sich Microsoft das gefallen läßt. Denn, wenn es nach MS geht, sollen die coolen Anwendungen natürlich unter Vista laufen, und zwar nur unter Vista!

Was schreiben die Anderen?

Mike Chambers, führender Apollo-Apologet (oder kurz: Apolloget), erläutert ausführlich die Daseinsberechtigung von Apollo und schließt mit der Feststellung: „Apollo applications complement web applications in the browser. They do not replace them.“

Eine Grundsatzdebatte führen John Milan und Richard MacManus bei Read/WriteWeb über die Frage, ob eine Offline-Webanwendung oder eine Online-Desktopanwendung besser ist (und wo genau eigentlich der Unterschied liegt). Dem war ein Bericht von Alex Iskold über die Apollo-Präsentation auf der ETech 2007 vorausgegangen.

Realität und KI verschmelzen

Das uralte Heilsversprechen der Künstlichen Intelligenz hat immer noch Gültigkeit. So scheint es jedenfalls, wenn Andreas Gerber im Interview sagt: „Realität und KI verschmelzen immer stärker, so dass der Mensch in naher Zukunft nicht mehr unterscheiden kann, ob er mit Menschen oder einem KI-System interagiert.“ Der Gründer von X-aitment spricht beim Startup Meeting auf der next07 über Künstliche Intelligenz und moderne Spieleentwicklung.

re:publica und next07

Auch ein Thema für Hamburg vs. Berlin: Kongresse. In Berlin findet vom 11. bis 13. April die re:publica statt. Heute berichtet Detlef Borchers auf heise.de darüber und zieht diesen Vergleich:

Die dreitägige, bis in die Abendstunden gehende Konferenz kostet 60 Euro. Blogger, die für re:publica werben, zahlen 40, „Profis“ gleich 100 Euro. Das ist vergleichsweise günstig, wie die kommerzielle eintägige Web-2.0-Konferenz Next 07 zeigt. Diese kostet 590 Euro.

Vergleichsweise günstig, das stimmt. Sogar sehr günstig – das haben Spreeblick und Netzpolitik wirklich gut hinbekommen. Ansonsten werden sich die beiden Kongresse wohl ziemlich deutlich unterscheiden, insbesondere was Programm (hier re:publica, da next07) und Teilnehmer (hier re:publica, da next07) betrifft. So soll es sein.

Mit Web 2.0 haben die beiden Veranstaltungen zwar ein Tag Etikett Oberthema gemeinsam, die Perspektive auf die Details aber ist fast komplementär: hier Kultur, da Wirtschaft. Am besten beide Kongresse besuchen.

Hinter dem digitalen Busch sitzend

Fast offline. Nur das Mobiltelefon stellt eine Paketdatenverbindung ins weltweite Netz bereit. Welche Mail funktioniert?

Outlook

Der dicke Mailclient schaufelt zwar fleißig Daten vom Exchange-Server auf die Platte, ist aber nicht ansprechbar. „Outlook versucht, Daten vom Microsoft Exchange Server abzurufen“, ist die häufigste Rückmeldung an den Nutzer. Ob nach dem Ende der Verbindung brauchbare Daten vorliegen werden?

Der Outlook Web Access lädt mühsam seine überladene, dem dicken Mailclient nachempfundene Oberfläche. „Wird geladen…“ steht dort, wo ich Mails erwarten würde. Keine Mails. Erst beim zweiten Versuch sehe ich Mails. Sie zu bearbeiten ist mühsam und langsam.

Was so einigermaßen funktioniert, ist der Blackberry auf dem E61.

Google Mail

Sekunden nach dem Start der Paketdatenverbindung hat Google Mail den Posteingang aktualisiert. Alles funktioniert wie gewünscht, nur nicht ganz so schnell wie gewohnt.

Conclusio: Wer öfter mal unterwegs ist, für den ist Outlook/Exchange eher nix. Und Blackberry auch nur ein Pflaster für die gröbste Unbill.