Martin Recke

Co-Founder @nextconf, corporate editor @AccentureSong, PR guy, blogger, journalistic background, political scientist, theology, singer, father, landlord, roman-catholic.

Umwerfend

In Monterey hat gestern die TED2007 begonnen. Bruno Guissani liefert wieder exzellentes Liveblogging für alle, die nicht dabei sein können. (TED2008 ist übrigens auch schon ausverkauft.)

Jeff Han, regelmäßige Leser mögen sich an ihn erinnern, ist nach 2006 (siehe Video oben) nun zum zweiten Mal auf der TED. Diesmal zeigt er seine interaction wall (siehe Foto unten), ein noch größerer Multitouchscreen mit noch mehr Möglichkeiten. Giussani berichtet:

It’s an amazing thing: enlarging a picture requires only touching it with two fingers and moving them apart — with the file following their movements and spreading on the screen. There is basically no structured interface to his device: they just “ navigates“ in the information, zooming in and out of maps or tilting them or adding graphic elements or redistributing images on the screen just by moving their fingers on them.  They add layers of images — a map on top of a map, for example, where the one on top acts as a „lens“. They have built in dozens of applications, and functionalities that make it even more effective: drawing a circle for example initiates a menu, etc.

Jeff Han und Phil Davidson zeigen die interaction wall (Bild: Bruno Giussani)

Und klar, Giussani bringt auch die Usability-ProblemeHerausforderungen zur Sprache, die neulich schon auf dem Fischmarkt Thema waren (siehe dort in den Kommentaren):

„The most interesting thing is that when people first use this, they tend to go with one finger, then retract it: we basically have to un-teach people what they have learned so far about computing, and convince them that they can use several fingers, that several people can work on the screen at once, that you can actually use a random number of touchpoints, etc“. The Apple iPhone, when it comes out, may help: it will also come with a multitouch screen, although it’s so small that it won’t make for a very interesting multitouch device (Jeff’s „wall“ is 8 feet wide). This is a mindboggling breakthrough technology.

Die Agentur der Zukunft

Ideas (Folie von StrawberrryFrog

Harter Stoff für jeden, der sich die Frage stellt, wie wohl die Agentur der Zukunft aussieht: die Keynote von Scott Goodson, dem Gründer von StrawberryFrog, gehalten vorgestern auf dem Future Marketing Summit in New York. (Man beachte übrigens die Werbung für den Kongress.)

Hier ein paar Appetithäppchen:

  • Die Agentur StrawberryFrog hat die Realisierung zu großen Teilen ausgelagert.

    We get to work with those who like their freedom, who don’t want to be smothered or scared to death by the environment of a big agency. We believe that pirates write better ads than the guys in the navy, because ideas which cut through the clutter can not be produced by disciplined committees.

  • Das Kreativnetzwerk OpenAd (über 7.000 registrierte Kreativschaffende) nennt sich selbst „the world’s biggest creativ department“. OpenAd liefert nur Ideen.
  • Das Gegenstück dazu ist The Department of Doing aus Neuseeland. Hier werden Ideen realisiert, bis die Schwarte kracht. Ideen bitte selbst mitbringen.
  • Goodson sagt über das neue Geschäftsmodell der Agenturen:

    The new business model requires a rethink of ideas as products – in other words, generating ideas that can be turned into actual products, and revenue streams that derive from the sale of these products.

  • Und über Innovation:

    In our industry, we talk a lot about innovation. Well, innovation is important because it’s a way to make money. And innovation for agencies only works when you can make a living out of it. The new agency model demands that we develop a new value culture, live by it and prove that it works where it needs to most – the bottom line.

  • Die Teams bei StrawberryFrog:

    Our creative teams have always included everyone, because we believe an idea can come from anyone.
    Our teams consist of a digital creative, a writer, art director, creative technologist, a designer, a business mind, a culturalogist, a PR mind, etc…

  • Was ist digital, was ist interaktiv?

    Digital is no longer one area of expertise – digital infuses every idea and every agency role.
    The fact that increasingly clients are awarding mainstream advertising accounts to interactive agencies, like IKEA hiring Agency.com as its lead agency, indicates that we need to rethink what we call “our skill base” and exactly what we value within it.

  • User-generated content is tired.

    There’s been a lot of talk about user-generated content. And my prediction for the future is the rise of user generated products.

  • Crowdsourcing ist schon mehr als nur eine Idee: CrowdSpirit

Lesen!

Cat Content

Kater
Hatten wir jemals Katzenbilder auf dem Fischmarkt? Ich kann mich nicht erinnern. Dabei sollten doch, wo Fisch ist, auch Katzen nicht weit sein.
Dieser Kater kam gerade per Mail rein. Er wurde uns für den Einsatz in der Werbung angeboten. Leider haben wir dafür keine rechte Verwendung. Kontaktdaten auf Anfrage.

Leviten lesen Leviten

Sie haben es ja ohnehin schon nicht leicht, die Massenmedien. Und dann wird ihnen auch noch kräftig eingeschenkt. Markus Peichl, einer der ganz Großen der Druckmedienbranche und heute Juryvorsitzender beim gestern verliehenen Lead Award, liest seiner Branche die Leviten. In der Welt. Hier die entscheidende Passage:

WELT: Guter Journalismus wird vom Leser nicht geschätzt?

Peichl: Doch, aber die Leute werden mit so viel Mittelmaß erschlagen, dass sie das Gute nicht mehr sehen. Erinnern Sie sich an die Hitler-Parodie mit Helge Schneider? Die Frage „Darf man über Hitler lachen?“ war die Sau, die eine Woche lang durchs mediale Dorf gejagt wurde. Danach war die Sache vergessen, der Film floppte, basta. Dasselbe passierte mit dem Uschi-Obermaier-Film. Selbstverschuldet lassen sich die Printmedien im Kampf gegen schnellere Medien auf das Gebot der Nichtsubstanz und das Verdikt der Geschwindigkeit ein.

WELT: Sie wollen doch nicht leugnen, dass zu den genannten Themen kluge, gut geschriebene Artikel erschienen sind.

Peichl: Natürlich gab es die, aber sie wurden von der Vielzahl der Husch-Husch-Erregungen verblasen. Der Leser wurde zugekleistert mit substanzlosem Kram, weil jeder glaubte, auch etwas zum Thema absondern zu müssen. „Huch, das ist ein Thema, da müssen wir jetzt ganz schnell was dazu machen.“ Das ist der Mechanismus, der Redaktionen treibt. Und dann bombardieren sie den Leser mit allem, was auf die Schnelle beizuschaffen ist. Also fehlen den Journalisten Zeit und Kraft, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Macht es doch einer, wird seine Mühe nicht belohnt, weil es der Leser in all dem Wust nicht erkennen kann. Wissen Sie, was ich nicht mehr hören möchte?

WELT: Was denn?

Peichl: Diesen Satz, den Printleute so gern von sich geben: „Wir werden gegen das Fast-Food-Medium Internet bestehen, denn der Leser möchte Selektion, und genau die geben wir ihm: Wir trennen das Wichtige vom Unwichtigen.“ Stimmt nicht, das ist Alibi-Wunschdenken. Printmedien verbreiten viel zu viel völlig ungefilterte Information im Affenzacken hinaus in die Welt.

Sprach’s und verlieh einen Lead Award an die in „Second Life“ erscheinende, englischsprachige Zeitung „The AvaStar“. Von diesem Bild-Ableger gibt es jetzt auch eine deutschsprachige Ausgabe. Deren Chefredakteur Rowan Barnett aka Regis Braathens spricht übrigens auf der next07.

In gewohnt höflicher Manier, einige Zacken schärfer als Peichl, aber nicht minder auf den Punkt bringt es der Doppelgänger jenes Jünglings, der sich jüngst als Anzeigenmotiv für Gucci verewigte. An der Blogbar. Sein Stück, vermutlich liest sich, als sei es nach der Lektüre von Peichls Brandinterview entstanden, im Auszug:

He, Ihr verblödeten, nach oben in Entscheiderpositionen gechwemmten Nichtskönner, Ihr Parasiten am alten Ruf abkratzender Medienmarken, was zum Teufel wollt Ihr eigentlich? Eure Auflagen kacken ab, die jungen Leser laufen Euch davon und die alten Leser sterben, seit 10 Jahfren seid ihr im Niedergang, und alles, was Euren Konzernen einfällt, ist der Einkauf von irgendwelchem Communitydreck, weil da die jungen Leute inzwischen sind. Ihr habt längst den Kampf um die Qualität aufgegeben, im Internet seid Ihr nur noch kleine Nummern unter irgendwelchen Drittverwertern und niveaulosen Zusammenrottungen. Die Tageszeitungen waren bis vor 10 Jahren unangefochtene Meinungsführer, heute passen Süddeutsche, FAZ, taz und Welt locker unter den Fussabstreifer von Spiegel Online, und auf das schwarze Dreclksblatt bei mir daheim kann ich selbst inzwischen mit meinen Blogs quotenmässig hinunterspucken. Im einzigen Zukunftsmarkt seid Ihr plötzlich ein Nichts voller greinender Bedenkenträger, Ihr habt in der New Economy jeden Scheiss mitgemacht und jetzt kauft Ihr wieder jeden Rettungsring, den Euch irgendwelche Gründer hinhalten, und Eure eigene Kernkompetenz der Informationsvermittlung geht Euch am Arsch vorbei, Hauptsache ihr habt diese tollen Web2.0-Spielzeuge.

Was früher mal Eure Basis war, mutige Autoren und Kenner der Region, sind heute billige Praktis und gekaufte Johurnaille, die brav kuscht, wenn Ihr den nächsten Onlineschmarrn ranschleppt. Ihr habt die Redaktionen nach der Printkrise wieder profitabel gehungert, weil das neue, miese Niveau auch für die Abos reicht. Das rettet Euch kurzfristig den durchgesessenen Hosenboden, aber der Nachwuchs hat keine Bindung mehr an Euch, und wird auch keine Bindung an Euch mehr bekommen. Die haben sich vertschüsst zu irgendeiner Internetbespassung, Youtube, Youporn, Myspace, wo sie für Euch und Eure miese Informationsabfütterung unerreichbar sind und bleiben. Ausser ihr kauft diese Dinger auf und hofft, dass ihr den Kaufpreis reinkriegt, bevor die Massen weiterziehen zum nächsten heissen Scheiss.

Hier weiterlesen.

Agenda 2010

Entscheidertreffen auf der CeBIT. Nein, gemeint ist nicht das WeblogCamp@CeBIT. Zwei Tage vorher veranstaltet Axel Springer die Computer Bild CeBIt CEO Conference. Springer-CEO Mathias Döpfner hält die erste Keynote, eine weitere Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff.

Das dritte Panel scheint mir das spannendste zu sein – und nicht nur, weil Matthias Schrader dabei ist. Mit ihm diskutieren Lars Hinrichs (Xing), Holger Jung (Jung von Matt), Rudolf
Gröger
(O2) und Klaus-Peter Schulz (BBDO). Das Thema: „Kunde versus Community: Wie entscheiden Konsumenten in 2010 – Werbebotschaft oder Meinungsaustausch?“

Das Web geht offline

The Future of Web Apps London (Foto)

Es klingt vielleicht etwas paradox, aber die Zeichen der Zeit deuten darauf hin. Und es ist ja auch völlig logisch: Wenn die Reise weg von installierter Software hin zu webbasierten Anwendungen geht (Google-Sprecher Kay Oberbeck in der SZ zum Thema Google Apps Professional Edition), dann müssen die natürlich auch dann funktionieren, wenn das Web mal nicht verfügbar ist.

Die aktuellen Stichworte dazu lauten zum Beispiel Adobe Apollo, Firefox 3 oder auch, um das Unaussprechliche auszusprechen, Windows Presentation Foundation (WPF). Auf deren Basis gibt es inzwischen eine Reihe von Newsreadern, die auch offline funktionieren. Das gibt mir die willkommene Gelegenheit, den ebenfalls WPF-basierten und offlinefähigen OTTO Store zu erwähnen.

Das Offline-Web war eines der heißen Themen der Future of Web Apps, die bis gestern in London tagte. Und wieder einmal ohne stabil funktionierendes WLAN auskommen musste. Das Web geht offline. Sagte ich das schon?

Foto: gluemoon@flickr

Bücher auf dem Fischmarkt


Der Fischmarkt hat jetzt auch einen Bücherladen. Und dort gibt es natürlich nicht irgendwelche Bücher, sondern die Auswahl des Chefs – man beachte das Banner, das hier mal probeweise mitläuft.

Nein, es ist kein aStore. Denn die SZ-Mediathek hat jetzt ein eigenes Affiliate-Programm. Und mit 8 Prozent Provision ein durchaus attraktives. Oder?

Die SZ-Mediathek wird von SinnerSchrader betreut.

Zwischen Grevenbroich und Essen

Horst Schlämmer und Katharina Borchert

Das Schlämmerblog hat in den Deutschen Blogcharts in Woche 4 schon Platz 29 erklommen. Bei Blogscout liegt es auf Platz 2. Und Horst Schlämmer macht Führerschein auf Kosten von VW. Hätten wir das auch endlich geklärt und können uns frischen Themen zuwenden.

Zum Beispiel Westropolis. Das Kultur-Blog von West Eins hat diese Woche den Vorhang gehoben und wird von den üblichen Verdächtigen Medienbeobachtern als Vorbote der WAZ 2.0 insgesamt wahrgenommen. Westropolis ist ein Teil der WAZ-Aktivitäten zur Kulturhauptstadt 2010 in Essen und Umgebung.

West-Eins-Chefin Katharina Borchert plaudert in einer Blogsprechstunde bei politik-digital ein wenig aus dem Nähkästchen:

Yep, wir haben westropolis.de als eine Art Pilotprojekt gestartet – Spielwiese trifft das schon sehr gut. Wir wollten intern sowohl technische als auch redaktionelle Abläufe proben. Westropolis wird dann in westeins integriert.

Und wie sieht die WAZ 2.0 aus?

Die WAZ sieht im Web 2.0 immer noch wie eine klassische Nachrichtenseite aus, bietet aber vielfältige Interaktionsmöglichkeiten, angefangen von Kommentaren (unregistriert möglich) bis hin zu eigenen Blogs von Lesern, social bookmarking und so weiter. Die Planungen für westeins sind sehr weit gediehen und befinden sich irgendwo mitten in der Umsetzung.

Es bleibt spannend.