Bei last.fm gibt es demnächst auch Videos, berichtet heuteRichard MacManus und zitiert die Pressemitteilung mit dieser kühnen Ansage:
„Last.fm aims eventually to have every music video ever made on the site, from the latest hits to underground obscurities to classics from the past.“
MacManus fühlt sich gleich in die frühen 80er versetzt:
When I read that, I immediately thought of Last.fm as the Web 2.0 version of MTV! That certainly seems to be their goal, and good on them for setting their sights so high. The fact they have at least a couple of big labels on board already (EMI and Warner, both of whom already have agreements with Last.fm regarding radio music) and they seem to be in good negotiations with others (Universal and Sony) indicates that it’s not an impossible dream. The Web 2.0 age needs a new form of MTV, so why not Last.fm to provide it!
last.fm-Chairman Stefan Glaenzer war als Redner für die next07 eingeplant, musste dann jedoch kurzfristig absagen. Mehr zu last.fm erzählt er im Interview.
Kritik kommt von altgriechisch kritein, „[unter-]scheiden, trennen“. Der Kritiker braucht Kriterien, mit deren Hilfe er unterscheiden kann – das Gute vom Schlechten zum Beispiel, oder das Erfolgreiche vom Erfolglosen.
Unternehmen aller Art haben ein hartes Erfolgskriterium, das sich am Gelde bemisst. Oder genauer: daran, wie viel am Ende, wenn alle Rechnungen beglichen sind, noch übrigbleibt. Sie geben ihr Geld nur aus, wenn sie Rückflüsse erwarten können, die höher sind als die Ausgaben.
Unternehmerische Bedenkenträger kommen immer dann ins Spiel, wenn diese Erwartung nicht realistisch erscheint. Dann zögern sie mit dem Geldausgeben, und die Macher bekommen nicht die Mittel in die Hand, die sie gern hätten.
Die Aufbruchstimmung vom Vorjahr ist vorbei. Das war auf der next07 klar zu sehen. Doch gibt es jetzt tatsächlich eine Kluft „zwischen dem kleinen gallischen Dorf voller Visionäre und dem Römischen Reich der Bedenkenträger in ihren von Firmenpalisaden umzäunten Parallelwelten“, wie Oliver Gassner in Telepolis schreibt?
Nein! In den Unternehmen herrscht weiter Aufbruchstimmung, bestimmt die Lust am Internet, an der Kommunikation mit dem Konsumenten das Bild. Zu Bedenkenträgern sind indes die Blogger geworden. Der Fall Shoppero zeigt das überdeutlich.
Shoppero ist ein Qype für Produkte, das seine Autoren an den Werbeerlösen beteiligt. Eigentlich ganz einfach und vor allem eine Antwort auf die Frage, was denn die Nutzer auf den ganzen sozialen Netzwerkplattformen von ihrem Engagement haben (außer Ruhm, Ehre und Karmapunkten).
Geld ist prinzipiell keine schlechte Sache. Man könnte zugespitzt sagen: Selbst wenn Beiträge bei Shoppero nur deshalb geschrieben werden, um damit den Abverkauf irgendwelcher Produkte zu fördern, ist das kein Problem – solange es verkauft. Das nennt sich dann wohl Social Commerce.
Dabei bleibt allenfalls der neue Spitzenwert Authentizität (Bolz) auf der Strecke, dem sich die Bloggerszene mit Haut und Haar verschrieben hat. Doch was ist Authentizität anderes als hochselektive Wahrnehmung, als der zum Prinzip erhobene blinde Fleck?
Jede Beobachtung hat ihren blinden Fleck. Blogger jedoch machen diese Art von Blindheit, die ins Extrem getriebene selektive Wahrnehmung zum Prinzip. Eine Kunstfigur wie Don Alphonso lebt genau davon. Hinter dem wortreichen Gestus der Allwissenheit, hinter der aufs Höchste gesteigerten Subjektivität steckt die blanke Realitätsverweigerung.
Don Alphonso, das alter ego von Rainer Meyer, existiert nur im Netz. Die Figur funktioniert nur digital. Im echten Leben kann Meyer diese Rolle nicht ausfüllen. Und folgerichtig bleibt er Ereignissen wie der re:publica oder der next07 fern. Was dort geschieht, will und kann er nicht wahrnehmen. Muss er auch nicht. (Auf „vielen Kongressen“ war er jedoch, siehe unten.)
Was beim Don mit seiner messerscharfen Intelligenz und klassischen Bildung noch seinen intellektuellen Reiz hat, ist bei seinen Adepten eher peinlich. Die jakobinische Gebärde des Don ist witzig, aber die heraufziehende Terrorherrschaft eines marodierenden Mobs macht keinen Spaß mehr. Es wird Tote geben.
Man muss Jens Kunath nicht mögen, schlechte AGB sind schlechte AGB und Sicherheitslücken sollen nicht sein – das ist alles richtig. Aber kein Grund, mit dem Fallbeil durch die Lande zu ziehen. Es sei denn, es ginge nur um Terror, notdürftig mit dem Mäntelchen der Reinheit bedeckt.
Der Konsument hat die Macht bereits übernommen. Er wird auch die jakobinische Schreckensherrschaft hinwegfegen. Der 28. Juli kommt. Die Frage ist nur, in welchem Jahr.
Warum geht mir schon den ganzen Tag so ein Lied von den Ärzten im Kopf herum?
Ein Kongress wie die next07 ist vor allem eines: eine riesengroße Kommunikationsveranstaltung. Unser mehr oder weniger offensichtlicher Plan war es, wie schon im letzten Jahr sehr unterschiedliche Gruppen in einem großen Raum miteinander ins Gespräch zu bringen: die Macher, die Kreativen, die Techniker, die Berater mit den Netzwerkern, den Bloggern, den Unternehmern und den Startern, mit den Theoretikern und den Bedenkenträgern.
Und das scheint auch gelungen. Diese Publikumsmischung bringt es dann mit sich, dass nicht jeder im Programm nur Neues hört, nicht nur unter Seinesgleichen bleibt und sich am Ende womöglich – o Schreck – noch mit Leuten unterhält, die völlig anderer Meinung sind, und über Themen, mit denen man sich gar nicht befassen wollte.
Den einen geht es zu viel ums Business, den anderen zu wenig. Alle fühlen sich ausreichend mit Getränken, Häppchen und WLAN bemuttert – und so wie der Event letztes Jahr die Aufbruchstimmung offen gelegt hat, legt er in diesem Jahr die Kluft bloß zwischen dem kleinen gallischen Dorf voller Visionäre und dem Römischen Reich der Bedenkenträger in ihren von Firmenpalisaden umzäunten Parallelwelten.
Diese Kluft, wie sie Oliver Gassner in Telepolis diagnostiziert, etwas zu verkleinern – das war die Idee für die next07. Oder, falls das nicht geht, wenigstens mal darüber zu reden. Unterschiedliche Sichten auf das Web zusammenzubringen.
Und die aktuellen Spielarten der gerade einmal zwei drei Geschäftsmodelle, die es im Web überhaupt gibt, zur allgemeinen Besichtigung freizugeben: Werbung, Dienstleistungen und Transaktionen. Die Medien leben von der Werbung, die Marken brauchen sie wie der Fisch das Wasser. Ob E-Business oder Me-Business – es bleibt Handel oder Vertrieb. Und in den Parallelwelten blüht beides alles: Werbung wie auch (spiel-)geldvermittelte Transaktionen und Dienstleistungen.
Neu sind nicht die Geschäftsmodelle – wie gesagt, es gibt nur zwei drei. Neu ist, dass der Konsument mit Hilfe des Web die Kontrolle übernommen hat. Wie sich Medien, Marken und Handel darauf einstellen, wie Agenturen ihnen dabei helfen und wer am Ende die Nase vorn hat, das wird nicht nur uns nicht nur in diesem Jahr beschäftigen. Es bleibt spannend.
Geld regiert die Welt. Oder ist es doch der Konsument, der sein Geld ausgibt – und damit bestimmt, was produziert wird? Erfrischend lakonisch sprach Nico Lumma gestern davon, wie die Shoppero-Macher auf der Suche nach den passenden Anreizen für die produktempfehlenden Massen auf das gute, alte Geld verfallen sind.
Mit Geld kann man eine Menge anfangen. Man kann es sparen, man kann es investieren oder einfach ausgeben und dafür schöne Sachen kaufen.
Das Web, nicht erst seit Versionsnummer 2.0, hat die Kräfteverhältnisse verändert. Der Konsument hat die Macht übernommen. Jetzt bestimmt er nicht nur mit seinem Geld, sondern redet auch noch mit und macht Meinung. Und verdient womöglich sogar damit selbst wieder Geld.
Das Aufregerthema der next07 war zweifelsohne das völlig harmlose und geradeaus gedachte Lumma/Kunathsche Shoppero. Zu Recht? Die Aufregung zeigt jedenfalls, dass die Debatte in diesem Jahr endgültig beim Gelde angekommen ist.
Das ist gut so, denn einer muss auch im Web x.0 am Ende die Rechnung bezahlen. Und das ist normalerweise in einer funktionierenden Marktwirtschaft der Konsument, der souveräne.
Die Bahn macht 17 Prozent ihres Umsatzes online? Das dann aber wohl eher trotz als wegen des unglaublich unhandlichen und langsamen Buchungssystems. Mich hat es gerade ziemlich viel Zeit und Nerven gekostet, mein Ticket zu kaufen. Das geht wirklich erheblich besser, schneller und eleganter.
Was macht eigentlich Malte Blumenthal? Diese Frage blieb gestern noch offen. Heute gibt es eine Antwort:
TEMPODOME steht für die Suche nach der Zukunft des Internets. Welche
Trends haben Potential? Wie entwickelt sich interaktive Kommunikation?
Das sind Fragen, denen wir folgen. Die Antworten werden wir umsetzen
in ideenreichen Projekten voll kreativer Kraft. Von der digitalen Vision
bis zur fertigen Plattform. Für Unternehmen, Marken, Agenturen,
Consultants, Startups, Investoren – und für uns.
Sind wirklich Köpfe die knappste Ressource in einem rohstoffarmen Hochlohnland mit vier Millionen Arbeitslosen? Wenn ich auf unsere offenen Stellen schaue, dann sieht es so aus. Aber es wird noch krasser.
Es scheint, als ob Kapital, Kontakte und Ideen im Überfluss vorhanden seien – und nur die Leute fehlen, die damit etwas anfangen können. So schreibtJens Kunath heute:
Da wird immer wieder von den genialen Gründern gesprochen, die super Ideen haben nur leider kein Geld zur Verfügung gestellt bekommen. Ich bin seit 3 Monaten intensiv auf der Suche nach genau diesen Gründern, die unternehmerische Fähigkeiten haben und die Portion eigenen Antrieb. Bisher habe ich sehr wenige kennengelernt.
Nun kann es natürlich sein, dass Jens Kunath und SinnerSchrader zwei Outlaws sind, von denen kein Mensch auch nur ein Stück Brot nehmen möchte. Kann sein. Kommt mir aber nicht übermäßig wahrscheinlich vor.
Für wahrscheinlicher halte ich, dass wir hier einen ersten Vorgeschmack auf das bekommen, was uns im alten Europa in den nächsten Jahrzehnten bevorsteht. Köpfe werden knapp.
Die re:publica ist Geschichte, die next07 steht bevor. In den letzten Wochen haben wir, allen voran Mark Pohlmann, kräftig am Programm gearbeitet. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen:
Ein genauer Blick ins Programm wird die eine oder andere Neuigkeit zu Tage fördern. Dazu später mehr.
Änderungen im Detail sind noch möglich und zu erwarten, aber der zeitliche Rahmen steht fest:
Warum ein Code of Conduct für die Blogosphäre nicht funktionieren kann, sagt keiner so schön und treffend wie Tony Long, der Luddite vom Dienst bei Wired:
Civility? They’re proposing a code of conduct for the blogosphere to ensure civility online?
Who’s kidding who here?
Before you can expect a bunch of utterly spoiled, self-indulgent bloggers (i.e. the kind who indulge in their online mudslinging) to practice civility, you might try restoring a bit of it to what passes for civilization these days.
Civility is all about self-restraint. It’s not about being told by someone else to say „no,“ but finding the inner resolve to say it to yourself. Call it self-discipline. Call it having a little class. Whatever name you give it, it’s almost completely absent from modern society.
And in a culture where idolatry of the crass and vulgar encourages the mantra of instant gratification and me-so-important, what the hell do you expect?
Which is why Tim O’Reilly’s proposal for a code of conduct won’t fly.
Unfortunately, you can’t just pass a bunch of rules to make incivility go away. Someone who has been getting his way since he was 2 and has grown up into a self-involved, bombastic narcissist isn’t going to have a come-to-Jesus moment just because he’s offended somebody’s sense of etiquette. You can put earrings on a hog but it’s still a hog, y’know?
So trying to impose some sort of artificial code on the blogosphere is pretty much a waste of time. Love the sentiment, though.
Wer weiterliest, findet auch gleich noch einen netten Rant zum Verhältnis von Blogging und Journalismus.