Author: Martin Recke (page 2 of 224)

Studie: Marketing für digitale Herausforderungen nicht gut aufgestellt

Nur eine Minderheit (23 %) der Marketingverantwortlichen in den Unternehmen glaubt, dass die Marketing-/Kommunikationsabteilung in ihrer jetzigen Form gut für die Zukunft aufgestellt sei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Trendforscher von BathenJelden, die der Deutsche Marketing Verband herausgegeben hat. Ein niederschmetterndes Ergebnis? Immerhin knapp die Hälfte (48 %) ist der Ansicht, das kleinere Korrekturen schon viel bewirken könnten. Bei den ebenfalls befragten Agenturen und Externen zeigt sich ein anderes Bild. Hier meinen zwei Drittel, dass sich die Marketingabteilungen grundlegend neu aufstellen müssen.
Um welche Herausforderungen geht es? Hier nennen die insgesamt 810 Befragten (siehe Grafik) vorrangig Themen, die sich dem Megatrend Digitalisierung zuordnen lassen, wie die Explosion der Kommunikationskanäle, Big Data und die höhere Geschwindigkeit – die Stichworte lauten Echtzeit, kürze Produktlebenszyklen und schnell veraltendes Wissen. Aber auch die Einsicht, dass der digitale Konsument das Marketing revolutioniert, ist inzwischen bei den Marketingverantwortlichen angekommen: Die steigende Konsumentenmacht durch anspruchsvollere, vernetzte Bürger, der Vertrauensverlust gegenüber Unternehmen und Marken sowie größere Transparenz und damit überprüfbare Leistungsversprechen nennen 71 % als eine der größten Herausforderungen.
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Ein klarer Weg, wie das Marketing diesen Herausforderungen zu begegnen gedenkt, zeichnet sich indes noch nicht ab. Weshalb der Marketingverband betont, eher Denkanstöße als Patentrezepte liefern zu wollen. Erschreckend für altgediente Marketingkoryphäen ist nicht zuletzt eine ausgesprochen niedrige Zahl: Nur 14 % sind der Ansicht, dass der Chief Marketing Officer (CMO) oder die Marketingabteilung die nötige Neuausrichtung vorantreiben kann. Fast jeder Dritte erwartet, dass es bis 2020 einen Chief Digital Officer (CDO) geben wird. Interessant: Von den heutigen Marketingleitern erwarten dies nur 24 Prozent, während es in der Unternehmensführung immerhin 39 Prozent sind.

Bereits heute zeigt sich in einigen Unternehmen, dass Chief Digital Officer das Mandat der Unternehmensleitung haben, quer zu bisherigen Strukturen zu arbeiten, um schneller Innovationen voranzutreiben, Geschäftsmodelle zu entwickeln oder die eigenen Kunden anhand von Verhaltensdaten besser zu verstehen. Derzeit schaffen es viele Marketingorganisationen aber offensichtlich noch nicht gut genug, die Herausforderungen rund um das Thema Digitalisierung in entsprechende Kompetenzprofile umzusetzen, denn nur 23 % aller Befragten, die die offene Frage zu den Zukunftskompetenzen ausgefüllt haben, sind der Meinung, das Technologiekompetenz – also Technologieaffinität, Datenverständnis oder IT-Wissen – zukünftig eine wichtige Kompetenz für Marketingmitarbeiter darstellt.

Nachweisbarkeit, Effizienz und KPIs hingegen kommen in den Zukunftsszenarien prominent vor: So halten es 81 % der Unternehmensvertreter für (sehr) wahrscheinlich, dass Marketing und Vertrieb im Jahr 2020 näher aneinandergerückt sein werden. Und 60 % glauben, dass der Return-on-Marketing-Invest bis dahin ganzheitlich messbar sein wird.

Diese Marketingeinheiten werden sich stärker an messbarem Mikroverhalten von Kunden ausrichten und versuchen, die kleinen Stellschrauben zu identifizieren, die den Absatz erhöhen. Dafür entwickeln sie eine deutlich höhere Kompetenz in der Analyse von Kundendaten und dem schnellen Testen von Kommunikationsmaßnahmen. Das Thema Marke spielt in diesem Szenario eine untergeordnete Rolle. Strategische Fragestellungen sind keine Aufgabe der Marketingorganisation (mehr). Auffällig ist jedoch auch hier, dass eine solche Effizienzorientierung nur von wenigen als Zukunftskompetenz angesehen wird. Nur 11 % aller Befragten haben in der offenen Frage zu den Zukunftskompetenzen Aspekte der Effizienzorientierung genannt.

Die Studie Marketingorganisation der Zukunft ist komplett kostenlos im Netz erhältlich oder als Druckwerk für 40 EUR (netto) zu beziehen. Disclaimer: Wir haben in der Vergangenheit bereits mit Jörg Jelden zusammengearbeitet, allerdings nicht im Rahmen des vorliegenden Projekts.

Das digitale Reiseerlebnis hat noch jede Menge Potential

Seit rund 20 Jahren gibt es nun das kommerzielle Internet. Und noch immer ist die Planung einer Reise ein echtes Abenteuer. Ich frage mich, ob das so sein muss.
Nehmen wir als praktisches Beispiel unseren kürzlich abgeschlossenen Familienurlaub in Schweden. An sich war das kein besonders komplexes Projekt. Über Airbnb hatten wir schnell ein wunderbares Ferienhaus mit einem phantastischen Blick über den Klarälven gefunden und gebucht.
Was wir jedoch hätten optimieren können, war die Lage. Das Haus befindet sich fast am nördlichen Ende des schönen Värmlandes. Die dortige Hauptstraße Nr. 62, nach dem sie begleitenden Fluss Klarälvsvägen genannt, verbindet Norwegen im Norden mit Karlstad im Süden.
Das Flusstal des Klarälven verläuft in jener Gegend zwischen Norwegen im Westen und Dalarna im Osten. Die bis zu 700 Meter hohen Bergketten rechts und links des Flusses sind hauptsächlich durch Schotterwege und nur selten durch schmale Straßen erschlossen.
So fanden wir uns für jeden größeren Ausflug auf der 62 wieder, fuhren 30, 60, 80 oder gar 120 Kilometer gen Süden. Das ist nicht weiter schlimm, doch vielleicht hätten wir ein Haus woanders gebucht, wenn wir die Lage hätten realistisch einschätzen können.
Aber wie? Google Maps und dergleichen sind hier nur von begrenztem Nutzen. Die meisten lokalen Informationen bekamen wir erst, als wir schon die rund 1.100 Kilometer zu unserem Feriendomizil zurückgelegt hatten.
Auch die Planung der An- und Abreise war komplizierter als gedacht. Google Maps hält die Fähre von Kiel nach Göteborg, für die wir uns letztlich entschieden haben und die uns fast 700 Kilometer Autofahrt pro Strecke, also über 1.300 Kilometer insgesamt erspart hat, offensichtlich für nicht der Rede wert.
Da half uns ein persönlicher Tipp, ganz wie in alten Zeiten, nur diesmal per Mail und nicht wie früher per Telefon oder im persönlichen Gespräch. Noch besser wäre eventuell die Fähre von Kiel nach Oslo gewesen, aber auch die hat Google Maps nicht so richtig auf dem Schirm, und unser Tippgeber aus Schweden verständlicherweise auch nicht.
Ferienhaus gebucht, Fähre ebenfalls – damit waren die Eckpunkte der Reise definiert. Bleibt nur noch das Programm für eine vierköpfige Familie. Sich via Netz über das nähere Umfeld eines bestimmten Landstriches in Mittelschweden nahe der Grenze zu Norwegen zu informieren ist so gut wie aussichtslos.
Schwedischkenntnisse würden vermutlich helfen, aber generell ist das Informationsangebot recht überschaubar. Jedenfalls soweit ich es finden konnte. Bücher sind übrigens erst recht keine Option. Die behandeln mindestens gleich ganz Mittelschweden und damit ein Gebiet, das zum größten Teil außer Reichweite liegt.
Dabei gibt es durchaus genügend Freizeitgestaltungsmöglichkeiten für Urlauber wie uns. Einmal am Ort, erschließt sich das Angebot auch recht problemlos. Wandern, Mountain Bike, Kanu fahren, Elche gucken, einen Park besuchen – alles kein Problem. Schwimmen wäre auch möglich gewesen, wenn wir etwas besser geplant hätten.
Das Netz allerdings brauchten wir dazu kaum. Eigentlich nur, um die Routen für unsere Tagestouren zu planen. Waze und Google Maps auf iOS kommen inzwischen auch ganz gut ohne dauernd aktive Datenverbindung zurecht. Weshalb ich in der zweiten Woche auch noch auf die durchaus brauchbaren Datenroamingpakete von Vodafone Business verzichtet habe.
Das Ferienhaus war mit brauchbarem Wifi ausgestattet, was für den Urlaub völlig ausreichte. Wer sonst etwas von mir gewollt hätte, der hätte vielleicht ganz klassisch anrufen müssen. Oder eine SMS schicken.
Wenn ich nicht gerade im Funkloch war. Das nördliche Värmland ist nicht so dicht besiedelt, das dort wirklich auf jedem Berg und in jedem Tal Mobilfunk vorhanden wäre. Weshalb mich in der Summe das alljährliche Lummasche Lamento über Datenroaming diesmal ziemlich kalt lässt.
Liebe Touristiker, da geht doch noch was. Airbnb ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber was ist mit der Routenplanung über verschiedene Verkehrsmittel? Was ist mit der Detailinformation über schöne Urlaubsgegenden, die vielleicht etwas abseits von den ausgetretenen Pfaden des Massentourismus liegen? Was ist mit Filtern nach verschiedenen Interessensbereichen und Aktivitäten?
Oder vielleicht gibt es das alles längst, aber ich konnte es nicht finden? SEO, anyone? Wer weiß?
Wie gesagt: Das digitale Reiseerlebnis hat noch jede Menge Potential.

TEDxHamburg und die digitale City 2.0

tl;dr: 1×2 Tickets für die TEDxHamburg am 4. Juni zu gewinnen!


So kann man sich irren. Auch wenn man Walter Scheuerl heißt und Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft ist. Auch ohne Scheuerls Zutun frisst sich die digitale Revolution unverdrossen durch alle Bereiche des Lebens und Arbeitens. Wie Städte sich dadurch verändern, wie sie digital werden, für diese Frage steht das Schlagwort City 2.0.
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Unter diesem Motto steht in der kommenden Woche die dritte TEDxHamburg. Einer der für mich spannendsten Sprecher dort ist David Zahle, Partner des dänischen Architekturbüros Bjarke Ingels Group. Vor einiger Zeit habe ich einen Vortrag des Namensgebers Bjarke Ingels gehört, der mich sehr begeistert hat.
Außerdem freue ich mich auf Raul Krauthausen, Gründer von wheelmap.org, auf das er inzwischen den überwiegenden Teil seiner Zeit verwendet. Raul spricht regelmäßig auf Konferenzen wie TEDx und NEXT.
Für die TEDxHamburg gibt es noch Tickets. Außerdem verlosen wir hier 1×2 Tickets für die Konferenz. Bei Interesse hinterlasst bitte einfach unten einen intelligenten Kommentar und gebt eine brauchbare Mailadresse an. Viel Erfolg!

Landlord oder: Gamification 2.0

Aufmerksame Leser meiner Kurznachrichten bei Twitter wissen bereits, dass ich mich seit geraumer Zeit mit Landlord beschäftige. Es handelt sich um eine Art Monopoly auf Basis von Foursquare für das iPhone, eine Android-Version ist derzeit in der Beta-Phase.
Nun bin ich ja normalerweise eher zurückhaltend, was digitale Spiele betrifft. Doch Landlord ist eine Ausnahme, und die Gründe haben viel mit dem zu tun, was ich Gamification 2.0 nennen möchte. Foursquare bereits hat erfolgreich Gamification eingesetzt, um die Nutzer zu vermehrter Nutzung zu bewegen.
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Das Urbild von Landlord: The Landlord’s Game von 1904/1924 (Abb.: Lucius Kwok, Lizenz)

Landlord setzt noch eins drauf und nutzt neben der Datenbasis von Foursquare auch die Aktivitäten der dortigen Nutzer. Das Spiel hat also zwei Verbindungen zur physischen Welt: Als Spieler kann ich auf Landlord alle Orte erwerben, in deren physischer Nähe ich mich befinde (und die noch keinem anderen Spieler gehören).
Das ist wie bei Monopoly, nur mit sehr viel mehr möglichen Spielfeldern und ohne Würfel. Bei Landlord kassiere ich aber auch Miete, wenn andere Nutzer bei Foursquare einchecken – sie müssen nicht bei Landlord sein. Auf diese Weise hat Landlord von Anfang an sehr viel Aktivität, es fühlt sich nicht wie eine Geisterstadt an.
Kommen wir zu den Schwächen des Spielkonzepts. Landlord hat neben den virtuellen Dollar, Pfund oder Euro (die Währung ist frei wählbar, der Umrechnungskurs ist immer 1:1) noch eine Zweitwährung namens Coins. Die gibt es zum Beispiel dafür, andere Nutzer auf Foursquare, Facebook oder Twitter mit Nachrichten zu belästigen („I just bought Bahnhof Neukloster (S) on Landlord!“).
Für Coins kann ich Upgrades erwerben, um damit meine Besitztümer mit zusätzlichen Features (Wifi, Car Rental, Banana Boating, um nur einige zu nennen) auszustatten. Diese wiederum erhöhen die Miete, die ich für jedes Check-in kassiere. Coins machen das Spiel etwas unübersichtlich. Sie sind relativ knapp, während Cash nach einiger Zeit fast im Übermaß vorhanden ist.
Und ein Übermaß an Bargeld führt, da ist Landlord keine Ausnahme, relativ schnell zu Inflation. Orte mit hoher Fluktuation bei Foursquare kosten bald ein kleines Vermögen. Attraktiv sind, wie bei Monopoly, zum Beispiel Bahnhöfe. Oder auch Büros von Internetbutzen mit einer gewissen Population aktiver Foursquare-Nutzer.
Landlord schöpft einen großen Teil des virtuellen Profits wieder ab, da jedes Besitztum auch tägliche Kosten verursacht, die grob geschätzt bei etwa zwei Drittel der erwarteten Tagesmieteinnahmen liegen. Dieser Mechanismus ist bisweilen etwas träge, was durchaus zu höheren Kosten und sinkenden Einnahmen führen kann.
Deshalb ist ein aktives Portfoliomanagement nötig, um Verlustbringer rechtzeitig abstoßen zu können. Außerdem wird das Portfolio nach einiger Zeit recht unübersichtlich, und die Ladezeiten werden immer länger. Ohnehin hat die App eine Reihe von Schwächen, sie hängt öfter mal und verhält sich gelegentlich inkonsistent.
Das Spiel selbst ist kostenlos. Es gibt aber die Möglichkeit, innerhalb des Spiels zusätzliches Bargeld (zum Kurs von 1,79 Euro für 10.000 Spielgeld) und weitere Coins zu erwerben. Mit anderen Worten: Jeder Landlord-Tweet ist auch eine Aussage, welchen Wert ich meinen Followern beimesse – schließlich könnte ich die Coins auch kaufen.

iPhone 5: Prächtige Hardware, veraltetes Interface und verschlechterte Services?

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Heute ist der alljährliche iPhone-Gedenktag. Millionen von Menschen weltweit bekommen ihre neuen, glänzenden Geräte. Designed by Apple in California, assembled in China. Der Verkaufsstart eines neuen iPhones hat sich zu einem Phänomen der Popkultur ausgewachsen.
Doch worum geht es bei dem ganzen Getöse? Ist immer noch die Hardware das Wichtigste? Nein, sagt Chris Gardner:

What Apple has failed to understand, but its competitors have banked on, is that the smartphone market is not about swish hardware any more, but the device’s software and how easy it is to both use and customise to make the phone yours.

Die Hardware des iPhones folgt offensichtlich dem Trend zu leichteren, dünneren und schnelleren Geräten – infinitesimal werden all diese Gadgets irgendwann unsichtbar. Doch der Schlüssel dafür, diesem Ziel so nah wie möglich zu kommen, ist längst nicht mehr die Hardware, sondern die Software, das Interface.
iOS 6, die jüngste Iteration von Apples mobilem Betriebssystem, startete diese Woche, brachte aber nicht sehr viel Innovation auf diesem Gebiet – das Interface sieht immer noch mehr oder weniger genauso aus wie damals im Jahre 2007, als das erste iPhone auf den Markt kam. Die Nutzer haben nur wenige Möglichkeiten, das Interface zu personalisieren, beklagt Owen Williams:

Apple has not addressed the one thing that’s always bothered me about iOS. The iPhone just isn’t personal. It doesn’t know me and allow me to adjust it to make it my personal phone. I don’t think they understand that their end users aren’t a big faceless group of people.

Owen propagiert Windows Phone 8 und dessen Interface („Live Tiles“) als aktuelles Musterbeispiel.

The thing is, Microsoft gets it. They’re completely right. Live tiles actually do make the technology disappear.

Das heißt, wenn wir Owen folgen wollen, dass es ein Beispiel für ein Interface gibt, das dem hübschen Ziel einer unsichtbaren Technologie zumindest nahekommt. Und es stammt nicht von Apple.
Fügen wir nun noch das Desaster mit dem Umstieg von Google Maps auf Apples eigene Landkarten hinzu. Jetzt haben wir ein Bild mit prächtiger Hardware, einem zunehmend veralteten Interface und einem Serviceerlebnis, das sogar schlechter wird.
Allerdings denke ich, dass dies die Sicht der Technologieexperten ist. Auf Seiten der Konsumenten sehen die Dinge völlig anders aus. Heutzutage sehen Konsumenten Apple-Produkte als klaren Kauf an, mit der Gewissheit, keinen Fehler zu machen.
Der durchschnittliche Konsument vertraut darauf, dass Apple für ihn die Dinge ins Reine bringt. Er erwartet aus Cupertino ein aktualisiertes Interface und bessere Services erst dann, wenn sie fertig sind, und keine Minute früher. Oder, im Falle von Services, überlässt er das Problem dem (App-)Markt.
Google Maps dürfte schon bald wieder auf das iPhone zurückkehren.
Foto: Blake Patterson, Lizenz

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