Lars Hinrichs sieht Big Data und Location als Trends

Im Juni feierte Xing-Gründer Lars Hinrichs sein Comeback mit HackFwd, einer Investmentfirma neuen Typs, die in junge Entwickler und deren Ideen investiert. In einem Interview nennt er jetzt neben Location (siehe Foursquare und Facebook Places) das Thema Big Data als einen der großen aktuellen Trends. Die Grundfrage für ihn lautet:

Wie verarbeite ich Millionen von Informationen gleichzeitig, um daraus interessante neue Applikationen für den Konsumenten herzustellen?


Big Data ist ein Schlagwort, das sich in den vergangenen zwölf Monaten aus der High-Performance-Ecke des IT-Markts an die Oberfläche gedrängt hat. Neben dem technologischen Aspekt des Umgangs mit sehr großen Datenmengen in sehr kurzer Zeit hat Big Data auch einen anwendungsbezogenen Aspekt: Dank Internet stehen dem einzelnen Nutzer heute weitaus mehr Daten zur Verfügung als er verarbeiten kann. Es geht darum, die richtigen Daten zur richtigen Zeit in aggregierter Form bereitzustellen.
Was das Thema Big Data für Start-ups interessant macht, ist die Tatsache, dass die Infrastruktur heute vorhanden ist, auf der neue Anwendungen leicht und schnell entstehen können. In den Worten von Lars:

Wir sind in einer Phase im Internet, wo es sehr viele etablierte Marktplätze gibt, Marktplätze wie Google App Store, Twitter, Facebook, iTunes. Hier brauchen wir für die neue Zeitrechnung im Internet eigentlich nur noch ein ganz, ganz kleines Team, was auf dem bestehenden Ökosystem sehr große Firmen aufbauen kann.

Zootool plant eine Pro-Version für Agenturen und Teams

Seit den Tagen von delicous und Mister Wong hielt sich die Innovation im Bereich Social Bookmarking in engen Grenzen. Zwar gibt es einige Varianten des Themas, doch die Unterschiede sind aus Nutzerperspektive eher marginal. Zootool bringt als neuen Aspekt die visuelle Seite ins Spiel. So grenzt Gründer Bastian Allgeier seine Idee im Interview* mit dem PHPmagazin ab:

Als Designer war mir das alles immer zu wenig visuell. Ich kann mir Dinge einfach besser merken, wenn ich sie sehe, und das ist genau das Prinzip hinter Zootool. Ich glaube, dass man heute nur noch punkten kann, wenn man entweder etwas völlig neues auf den Markt wirft oder eben ein bestehendes Prinzip so weit ausbaut, dass es für den Benutzer wirklich einen erheblichen Mehrwert gegenüber der Konkurrenz bietet.

zootool.png
Zootool speichert nicht nur Links, sondern auch Bilder, Dokumente, Videos und Texte, alles hübsch anzusehen und über eine Weboberfläche zu bedienen, die auch eine Mac-Anwendung sein könnte.

Das Design ist ganz gezielt an OS X angelehnt. Die Hauptzielgruppe von Zootool sind visuell orientierte Leute oder einfach nur Webjunkies und ich denke, dass in diesem Bereich der Mac eine immer wichtigere Rolle spielt. Es gibt meiner Meinung nach wenig daran zu rütteln, dass die meisten Programme für den Mac aus User-Interface-Sicht wesentlich intuitiver und attraktiver sind als Windows- oder Linux-Applikationen, auch wenn ich kein Apple-Hardliner bin. Ich wollte dem Ganzen trotzdem von Anfang an einen eigenen Charakter geben und nicht nur stupide eine Mac-App ins Web portieren. Daher stammt unter anderem auch der Gedanke, die Zoo-Metaphorik mit einzubauen und das mithilfe des Designs auch darzustellen.

Im Moment macht Bastian Allgeier, der Zootool zusammen mit seinem Professor Hartmut „habu“ Wöhlbier entwickelt hat, gerade Urlaub. Danach steht die weitere Arbeit an der geplanten Pro-Version an, die sich an Teams und Agenturen richten soll, wie Bastian jetzt im Interview* verriet. Außerdem verfolgt er streng geheime Pläne für iPhone- und iPad-Apps.
„Zootool will be one of the most creative and powerful web applications of 2010“, prognostizierte Federico Viticci im Januar bei MacStories.net. Bis dato hat Zootool noch nicht abgehoben. Laut compete.com hatte Zootool im Juli 14,379 Unique Visitors. Bastian Allgeier:

Zootool ist immer noch ein kleiner Fisch, auch wenn wir im Moment stark anwachsen. In den letzten drei Monaten seit dem Relaunch sind rund 8000 neue Benutzer hinzugekommen.

* Das Interview führte Andreas Wenk, der als Softwareentwickler bei SinnerSchrader in Hamburg arbeitet. Er beschäftigt sich nicht ausschließlich mit PHP, sondern auch ganz viel mit JavaScript, Rails, PostgreSQL, CouchDB und anderen tollen Dingen, die mit Bits und Bytes zu tun haben.

Um Hotelpreise feilschen mit Vadingo und Hotelsnapper

Die ursprüngliche Triebkraft des E-Commerce war, die Transaktionskosten zu senken. Und zwar auf beiden Seiten des Tisches, beim Kunden wie beim Verkäufer – die berühmte Win-Win-Situation. Der E-Commerce der zweiten Generation zielt nun darauf, auch noch die emotionalen Transaktionskosten zu senken. Willkommen im Social Commerce!
Social Commerce zeichnet sich dadurch aus, dass Konsumenten und Anbieter online etwas tun können, was offline nur zu hohen emotionalen Kosten möglich ist. Zum Beispiel um Hotelpreise feilschen. Frank Mansfeld, Hotelier auf Mallorca, beschreibt die Ausgangssituation so:

Mai 2009, es war schon abzusehen, dass es ein schlechtes Jahr für den Tourismus werden würde. Ich selbst war davon genauso betroffen wie die meisten anderen Hoteliers auf Mallorca. Meine Frau und ich sind seit vier Jahren stolze Besitzer zweier Landhotels auf Mallorca, und noch nie wurde von Urlauberseite her so viel gehandelt wie in diesem Jahr. Und gerade weil so viele Gäste mit uns feilschen wollten, kam mir die Idee, eine professionelle Verhandlungsplattform für Hotels im Internet anzubieten. Allerdings wollte ich etwas erschaffen, das auch dem Hotelier zugute kommen würde.

Das Ergebnis heißt Vadingo und ist seit diesem Frühjahr online. Um bei Vadingo ein Hotel zu buchen, müssen Konsumenten Reiseziel, Reisedatum, Kategorie und Wunschpreis eingeben, dann erhalten sie von Vadingo eine Auswahl an Hotels, die genau oder ungefähr dem Wunschpreis entsprechen. Mit bis zu zehn ausgewählten Hotels verhandelt Vadingo dann direkt. Die Verhandlungsangebote der Hotels kommen per Mail, können auf Vadingo verglichen und auch gebucht werden.
Vadingo deckt bis jetzt nur die Balearen ab. Ein breiteres Angebot verspricht Hotelsnapper, das allerdings noch nicht online ist. Hier gibt der Konsument ebenfalls Zielregion, Aufenthaltsdauer, Hotelkategorie und Wunschpreis ein. Hotelsnapper fragt die relevanten Hotels an und bucht dann sofort ohne weitere Rückfrage „das beste Hotel, das Sie zu dem Preis bekommen können“. Hoffentlich nicht das Nächstbeste.
Die fehlende Transparenz schützt zwar den Hotelier vor der bösen, bösen Preistransparenz – er kann über andere Kanäle weiterhin höhere Preise nehmen, ohne dass es groß auffällt. Doch der Konsument bucht blind und muss darauf vertrauen, dass Hotelsnapper wie versprochen nur die Hotels zulässt, die in den Gästebewertungen auf den einschlägigen Bewertungsportalen (zum Beispiel HolidayCheck) die besten Bewertungen aufweisen.

[Trinkgeld für s2planning]

Was wir von Google Me erwarten können

Als Googles große Schwäche gilt, Orkut und Buzz zum Trotz, das Thema Social Media. Und als Lösung ausgemacht scheint seit geraumer Zeit das sagenumwobene Google Me. Handelt es sich dabei um eine Copycat von Facebook oder benutzen wir gar Google Me schon längst, ohne es zu wissen?
Aufschluss darüber, wie Google die Sache sieht, gibt ein Vortrag von Paul Adams, den dieser im Juli gehalten und den Gina Trapani jetzt ausgegraben hat. Paul Adams ist User Experience Researcher bei Google und referiert auf sage und schreibe 224 Seiten über das „Real Life Social Network“.

Paul Adams beschreibt einige Probleme und das gängige Nutzerverhalten auf heute existierenden Social-Media-Websites und macht Vorschläge, wie das Nutzererlebnis besser zu gestalten wäre. Das größte Problem für Nutzer sieht er heute darin, dass bei Facebook & Co. alle „Freunde“ in einem großen Topf landen, während im echten Leben verschiedene Gruppen von Beziehungen auch ganz verschiedene Interaktionsmuster mit sich bringen.
Jede Menge Hintergrundmaterial zu seiner Präsentation hat Paul Adams hier publiziert.

shoedazzle: Modische Damenschuhe im Monatsabo

Das Innovationstempo im E-Commerce ist hoch. Während in Deutschland die Samwer-Brüder Zalando mit massiven Mediaausgaben in den Markt drücken und Otto mit mirapodo einen nachhaltigeren Ansatz verfolgt, erleben in den USA die abogetriebenen Modeshops einen zweiten Frühling. Zum Beispiel das im März 2009 gestartete shoedazzle.
Die Grundidee ist bestechend einfach: Frauen mit Schuhtick (eine nahezu unerschöpflich große Zielgruppe) bekommen jeden Monat für 39,95 Dollar ein Paar Schuhe frei Haus geliefert. Es gibt jeweils eine kleine Auswahl, die einem vorher definierten Stil entspricht, Versand und Retouren sind kostenlos, es gibt keine Abnahmeverpflichtung, jeder Monat kann übersprungen werden. Im Juli hatte shoedazzle 120.000 registrierte Kundinnen.
An shoedazzle ist Kim Kardashian beteiligt, was dem Bekanntheitsgrad nicht geschadet haben dürfte. Das Start-up hat im April 13 Mio. US-Dollar Kapital von Lightspeed Venture Partners und Polaris Venture Partners erhalten, um damit in weitere Segmente zu expandieren.
Welche das sein könnten, wollte Gründer Brian Lee im Interview mit Jason Nazar noch nicht verraten. Handtaschen? Gibt es bei shoedazzle bereits. Herrenschuhe? Vielleicht. Die Herausforderung: Männer geben nicht so viel Geld für Mode im Allgemeinen und Schuhe im Besonderen aus wie Frauen. Siehe manpacks: 20 bis 30 Dollar alle drei Monate sind deutlich weniger als 40 Dollar (fast) jeden Monat.

Samwers, aufgepasst: Mit justfab.com hat shoedazzle auch schon die erste Copycat.
SinnerSchrader arbeitet für mirapodo.