Qype: wie Inhalte in Websites reinkommen – und wieder raus (Web 2.0-Kongress)

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Stephan Uhrenbacher spricht über Qype. Die Grundidee von Qype ist Kollaboration. Nur, wenn es Menschen gibt, die anderen ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben, in kostenlose Vorarbeit gehen, entsteht ein Nutzen. Konsumenten und Aggregatoren stehen dabei im Verhältnis 1:100. Auf 1 Beitrag kommen 100 passive Nutzer.


Der Unterschied ist, wie hochwertig der Content ist. Wikipedia hat wenig Autoren, die allerdings einen sehr strukturierten Content erstellen. Bei Flickr und Youtube ist es genau umgekehrt. Das Prinzip heißt „Signal vs. Noise. (Anm. die Autorenschaft auf diese wunderbare Analogie gebührt m.W. dem gleichnamigen Weblog von 37 Signals. Sagte ich schon einmal, daß dieser genauso lesenswert wie alles andere aus dieser großartiken Keimzelle der Internetkultur ist?)
Anyway. Zurück zu Qype. Der Nutzwert verhält sich bei Qualitätsprodukten also genau umgekehrt proportional zu Menge der Autoren. Das ist auch bei Qype so.
Frage ans Publikum: Wer kennt Qype? Die meisten im Publikum kennen Qype. Tolles Publikum.
Stephan stellt jetzt Qype vor. Wichtigstes Tool: Tags. Tags helfen, Dinge unabhängig von ihrer Organisationsform einzuordnen. Tags zeigen, was den einzelnen bewegt und in der Summe, was die Stadt bewegt. Das von Stephan gewählte Beispiel ist „Die kleine Konditorei“, eine recht bekannte Bäckerei in Hamburg.
Seine Erkenntnis; Die Meinungen sind bei oft bewerteten Orten überaus einheitlich. So auch bei der kleinen Konditorei, die finden alle toll, weil es wohl kult ist. Das Tag dazu lautet also: Kult.
Getaggt wird alles, was die Menschen interessiert, vor allem Kneipen, Restaurants und Ausgehziele. Ist ja auch klar, das ist schließlich das, was die Menschen in ihrer Freizeit erleben. Soll man seinen Arbeitgeber bewerten? (Warum eigentlich nicht… noch nie darüber nachgedacht…) Tags gibt es auch zu vielen unkommerziellen Themen, wie Nichtraucher, gemütlich, behindertengerecht, usw.
Stand der Dinge: 1382 Städte sind aktuell verschlagwortet, alles ist Low Budget und mit wenig Geld von Stephan selbst und einigen Angels gestartet. Jetzt ist Qype Venture-finaniert, bietet mehr Raum für Entwicklung.
Die Grundidee von Qype heißt: Leute bewerten Lokale, erzählen über ihre Interessen und finden Gleichgesinnte. That´s it.
Die Qualitäten von Qype:
Selbstselektierene Zielgruppen ohne kommerzielle Belohnung. Das schafft Glaubwürdigkeit und hohe Identifikation mit der Plattform, beschränkt den Kreis der Aggregatoren allerdings vor allem auf Enthusiasten. Vorteil: Aus der aktiven Community entwickelt sich eine Brand-Identity, die auch für weitere Zielgruppen attraktiv wirkt.
Was wollen Web 2.0-User? Sich ausdrücken, unterhalten werden, produktiv- und natürlich: wichtig sein. Triff´ mich, dann lasse ich dich an meinem Leben teilhaben. Die Aufgabe der Plattform ist, den Autoren für ihre Mühe etwas zurückgeben, das eine oder mehrere dieser Kernmotivationen anspricht.
Jeder der aktuell relevanten Plattformen (Wikipedia, del.icio.us, digg.com, youtube, myspace und natürlich qype) ist an einer unterschiedlichen Stelle unterwegs.
Paradigmenwechsel: Das Individuum ist der Mittelpunkt des Universums: Das Portal als Mittelpunkt hat ausgedient („Unsere Kunden mit unserem Produkt und unserer Marke“, wir wollen kontrollieren, was drin steht). Das Individuum hat Bedürfnisse und möchte kontrollieren, wer diese erfüllen darf. (Klarer Fall von Überangebot, oder?)
Viele fangen an, über ihr Blog ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Sie produzieren alle Themen selbst. Qype sollen sie nutzen für die Frage: „Was will ich nächste Woche machen“
Blogger sind wichtig für das Agenda-Setting von Qype. Sie befinden sich beispielsweise gerne auf Augenhöhe mit den Marken. Denen sagen sie: Du kannst mich nicht besitzen, du kannst mich nicht kontrollieren. Schlecht bewertete Unternehmen sind für Qype nicht das Problem, sondern die Diskussionen darum, was auf der Plattform erlaubt ist und was nicht.
Das iPod-Paradigma: Du mußt das am besten können, was du in dem Moment tust. Die User geben die wichtigen Qualitäten vor: Bei Qype sind es eine gute Suche, Events, direkter Austausch, viel Feedback aus der Community.
Ein rundes Produkt ist wichtig, kein One-Shot. Der wird nicht angenommen.
Wem gehörten die Daten?
Dem Portal jedenfalls nicht, sondern dem Nutzer. Er möchte am Ende sicherstellen, dass er seine Daten mitnehmen können. Wir sind nicht proprietär, sondern offen.
Informationsfluss von Qype: Mit Qype kommt der User bald auf diverse Drittportale (Städteportale, Suche, Blogs, Navigation).
Mit Multiformats, einem offenen Protokoll, das von Microsoft und Google unterstützt wird, kommt der Content jetzt wieder in die Blogs rein, wo er eigentlich auch herkommt (eher: kommen könnte). Stichpunkt Microformats: rausziehen von Adressen und Reviews für Outlook, Websites, etc.
Ziel: Inhalte über Multiformats hin- und herschieben. Blogger können sie bei sich erstellen und für Qype freigeben, oder Qype-Inhalte auch wieder bei sich reinbekommen.

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2 Comments

  1. Wissen teilen?
    Was nicht mal innerhalb von Firmen funktioniert, soll ausgerechnet in einem noch unüberschaubareren Rahmen laufen?
    Ich zweifel mal heftigst daran; obwohl ich mir mehr davon wünsche. Aber inzwischen bin ich ziemlich desillusioniert.

  2. God ist ein Rockstar

    1. Januar 1970 at 0:00

    Es funktioniert bei Qype genau wie bei youtube. Irgendwann kauft ein grosser Fisch den ganzen Datensatz, weil er denkt, damit hat er die neuen GelbenSeiten im Sack, um dann zu merken, wie viel Schrott und Illegales er da drin hat.
    Wenn User Content bereitstellen, wollen Sie irgendwann halt mehr als ein Tshirt sehen 😉

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