Martin Recke

Co-Founder @nextconf, corporate editor @AccentureSong, PR guy, blogger, journalistic background, political scientist, theology, singer, father, landlord, roman-catholic.

Das offene Verzeichnis

StudiVZ-Testwoche auf dem Fischmarkt. Der dritte Tag.

Warum ist denn Dein Profil privat, wurde ich gestern gefragt. Das kannte ich so von Facebook, war meine Antwort.

Mein Profil dort ist nur für meine 66 Friends und meine beiden Networks sichtbar, also für die immerhin 54.536 Mitglieder im Network Germany und die 571 Mitglieder im Network FU Berlin. StudiVZ kennt gar keine Networks, wie ich sie von Facebook kenne. Die Suche nach „FU Berlin“ liefert ungefähr 299 Treffer, aber das können ja nicht alle sein. Oder?

Fischmarkt testet StudiVZ

Heute morgen habe ich mein StudiVZ-Profil wieder geöffnet. Das scheint dort die Grunderwartung zu sein – alles ist offen. StudiVZ bietet sehr viel geringere Möglichkeiten für die Konfiguration der Privatsphäre als Facebook:

  • Die Kontaktdaten sind immer nur für Freunde sichtbar. Nicht einstellbar.
  • Ich kann einstellen, ob ich als Besucher auf den Seiten anderer Leute sichtbar sein will oder nicht. Das kann ich bei Facebook gar nicht sehen und also auch nicht einstellen.
  • Will ich auf der Startseite anderer Nutzer mit meinem Profil vorgestellt werden?
  • Und wird mein Onlinestatus angezeigt oder nicht, können also andere sehen, ob ich gerade im StudiVZ unterwegs bin?
  • Außerdem kann ich andere Nutzer ignorieren.

Das ist alles. Verglichen damit habe ich bei Facebook detaillierte Möglichkeiten, den Grad meiner Öffentlichkeit zu bestimmen. Facebook ist auch in diesem Punkt sehr viel komplexer und weiter fortgeschritten als StudiVZ.

StudiVZ gibt mir mit einer simplen Anmeldung im Prinzip fast uneingeschränkten Zugriff auf alle Profile. Es ist also eher eine Art Telefonbuch, eben ein Verzeichnis im Wortsinn, und ein Micropublishing-Werkzeug für eine definierte Zielgruppe.

Mich erstaunt, dass StudiVZ nach den Debatten der letzten zehn Monate in Sachen Privatsphäre nicht sehr viel von Facebook gelernt hat. Die Plattform fasst sich auch in diesem Punkt sehr viel gröber an als ihr großes Vorbild. Das mag Gründe haben, die ich noch nicht kenne. Aber es bleibt doch bemerkenswert.

Mein erster Tag im StudiVZ

StudiVZ-Testwoche auf dem Fischmarkt. Heute der zweite Teil.

Meine Immatrikulation – ja, so witzig sind die Jungs – bei StudiVZ war kein Problem. Eine Matrikelnummer wird nicht gefordert, noch nicht einmal eine universitäre Mailadresse. Facebook hat immerhin eine Mailadresse meiner ehemaligen Hochschule abgefragt, um jenem Uni-Network beitreten zu können.

Die ersten Freunde sind schnell gefunden. Trotz meines fortgeschrittenen Alters kenne ich den einen oder anderen Studenten, und selbst Freunde und Bekannte aus der Schulzeit sind schon vereinzelt auf StudiVZ vertreten. Schmerzlich vermisse ich sofort den sagenhaften Mini-Feed von Facebook, der mich über das Tun und Lassen meiner Friends dort auf dem Laufenden hält.

Fischmarkt testet StudiVZ

Die Basisfunktionen sind mir allesamt von Facebook vertraut. Sie sehen auch genauso aus, vom im Vergleich zum ruhigen Blau etwas penetranten Rot einmal abgesehen. „Poke“ heißt hier „Gruscheln“, sonst ändert sich nix. Der bemüht studentische Jargon von StudiVZ macht mir klar, dass ich auf StudiVZ nichts zu suchen habe.

Die Plattform fühlt sich insgesamt eher hakelig an. Zum Beispiel liefern „Zurück“-Buttons häufiger mal nicht die erwartete vorige Seite, sondern springen irgendwohin zurück. Und die Popups mit Hinweisen wie „Nachricht wurde verschickt!“ nerven auch.

Der Adressbuch-Abgleich, in meinem Fall mit Gmail, funktioniert zwar und meldet mir auch zehn Bekannte bei StudiVZ – sagt aber nicht, welche das sind. Ich kann dann immerhin Masseneinladungsmails an mein gesamtes Adressbuch verschicken. Gut, eine Erklärung für die rasante Verbreitung wäre damit gefunden: user-generated spam.

StudiVZ fehlt alles, was Facebook in jüngster Zeit interessant und spannend gemacht hat: ein aussagekräftiger Newsfeed auf der persönlichen Startseite und zahllose Anwendungen von Dritten.

Facebook kann damit sehr einfach und sehr stark personalisiert und zugleich mit anderen Webdiensten verbunden werden. Der umzäunte Garten von Facebook ist dadurch in einer Richtung (von außen nach innen) sehr offen. In der Gegenrichtung (von innen nach außen) gibt es bislang erst wenige RSS-Feeds und die klassische Nachricht per Mail.

Bei StudiVZ: Fehlanzeige. Keine Anwendungen, keine RSS-Feeds. Dafür aber Leute in Hülle und Fülle. Die Stärke von StudiVZ ist die unglaublich hohe Durchdringung der Zielgruppe. Wer mit Studenten zu tun hat oder kommunizieren will, der kommt in Deutschland nur schwer an StudiVZ vorbei.

Mein Profil bei StudiVZ ist hier.

StudiVZ im Selbstversuch

Fischmarkt testet StudiVZ

Kann das sein? Es ist die nach (von der IVW gemessenen) Seitenabrufen größte Website in Deutschland, und ich kenne sie nicht von innen? Ist die Tatsache schon hinreichend gewürdigt, dass diese gewaltige Menge an Seitenabrufen hinter Schloss und Riegel einer digitalen Gartenmauer stattfindet? Und was ist überhaupt so spannend an StudiVZ?

Zuerst gehört habe ich von StudiVZ aus dem Munde von Lukasz Gadowski, einem der frühen Investoren, im zeitigen Frühjahr 2006. Von phänomenalem Wachstum war damals die Rede, vom US-Vorbild Facebook und vom ominösen Gruscheln, einem der eingebauten viralen Effekte von StudiVZ. Auf dem T-Shirt der next10years vom Mai 2006 steht „studivz“ in der zweiten Reihe von oben.

Skandale und Skandälchen pflastern den Weg vom Startup zum Holtzbrinck-Unternehmen und Seitenabrufmilliardär. StudiVZ ist ein Facebook-Klon, kämpfte zeitweise mit technischen Unzulänglichkeiten und geriet im Herbst 2006 ins Visier eines gewissen Don. Und erst jüngst machte StudiVZ Schlagzeilen mit wenig geschmackssicheren Werbevideos.

Heute hat Marcus Riecke, zuvor bei Ebay, Bertelsmann und Lycos tätig, den Chefposten bei StudiVZ übernommen. Zeit also für eine Bestandsaufnahme: Was kann StudiVZ, wo sind die Stärken und Schwächen? Und vor allem: Wie sieht StudiVZ im direkten Vergleich mit Facebook aus?

Und Zeit für einen Selbstversuch: Ich werde mich bei StudiVZ immatrikulieren, mein Profil einrichten und mir Freunde suchen. Zu bemerken ist schon ein erster Unterschied zu Facebook – die Sprache. StudiVZ pflegt schon vor dem Zauntor einen eigenen Jargon. Ich gehöre nicht zur Zielgruppe, das steht wohl fest.

Bei Facebook bin ich übrigens hier zu finden. Falls Sie dort Kontakt aufnehmen möchten. Und bei StudiVZ? Dazu morgen mehr an dieser Stelle.

Gone fishin‘

Ich bin dann mal weg. Wer in den nächsten Wochen wissen will, was ich so mache, dem lege ich Twitter ans Herz. Hier übernehmen inzwischen die Kollegen.
Schöne Ferien!

Warum Facebook?

Facebook News Feed

Eines der zentralen Elemente von Facebook: der Newsfeed, sozusagen der Herzschlag des persönlichen Facebook-Netzwerks

Facebook ist zur Zeit mit Abstand das heißeste Thema im Web. In den USA vielleicht noch das iPhone – wir Europäer dürfen darauf noch etwas warten. Robert Scoble, eine Art Robert Basic in groß und amerikanisch, sieht den Dingen ins Auge:

Expect to hear a lot more Facebook news. Unless you got something more interesting for us all to pay attention to. Microsoft? Google? Yahoo? Helllllllloooooooo.

Facebook taxiert seinen eigenen Wert auf schlappe 8 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: YouTube ging für 1,65 Mrd. Dollar an Google.

Und doch erreicht mich nach wie vor die Frage, wozu Facebook denn nun gut sein soll und was es so spannend macht. Ein paar kurze Antworten steile Thesen:

  1. Facebook ist ein Social Network wie MySpace, aber ohne die Nachteile von MySpace. Facebook hat seine ursprüngliche Nische – Studenten an amerikanischen Colleges – verlassen und ist auf dem Weg zur universalen Plattform. Facebook ist nicht nur für Teens spannend. (Sorry, MySpace.)
  2. Facebook hat seine technische Plattform geöffnet. Vielleicht noch nicht weit genug, aber immerhin weiter als alle anderen Webgiganten. Ausgenommen vielleicht Amazon. Xing redet darüber schon seit langem, aber liefert bislang nicht.
  3. Facebook ist dadurch eine attraktive Plattform für alle nur erdenklichen Dienste von Dritten. Ein kleines Beispiel: Wer seine Reisen auf dopplr hinterlegt und die dopplr-Erweiterung für Facebook installiert, zeigt damit auch dem Facebook-Netzwerk, wohin die Reise geht – und macht ganz nebenbei auch dopplr selbst einem größeren Publikum bekannt. Jede intelligente Facebook-Erweiterung gibt dem Nutzer die Möglichkeit, eine Plattform seiner Wahl zu nutzen und trotzdem bei Facebook präsent zu sein. Es ist eine Art RSS zum Quadrat.
  4. Facebook ist jetzt schon unglaublich flexibel. Es ist eine neue Art von Micropublishing, diesmal mit sichtbarem Auditorium – Blogger kennen bestenfalls ihre Kommentatoren, aber nicht ihre Leser. Facebook kann Rolodex, Outlook-Kontakte und LinkedIn oder Xing gleichzeitig ersetzen. (Sorry, Lars.) Naja, noch nicht für jedermann. Aber das Potential ist da, es muss nur noch genutzt werden.
  5. Facebook (und Social Networks insgesamt) sind das neue Fernsehen. Und diesmal kennen wir die Akteure persönlich. Jedenfalls einige.

Klingt wie Hype 2.0? Oder Bubble 2.0? No. Eher wie Renaissance 2.0!

I’ve been talking to people lately about how Facebook Platform is the most important thing that’s happened on the Internet in the past five years, possibly the past ten… surpassing the development of AdWords and the birth of social networking in general.  People sort of look at me like i’m stoned / crazy, but i don’t think so (okay, maybe the latter… but i quit toking over 20 years ago).  Now we’re about to see it get even more amazing.  The emergence of a whole ecosystem of new apps built on the social graph is just over the horizon.

We’re not in the middle of Bubble 2.0 — rather, we’re in the middle of Renaissance 2.0.  Northern California is Italy.  Palo Alto is Florence.  San Francisco is Venice.  Sequioi Capital (or Peter Thiel & Reid Hoffman) are the Medicis.  Ev, Biz, Ben, Mena, Matt & Toni are the Gutenbergs. And Mark Zuckerburg is Da Vinci.  Bene, molto bene 🙂

Wird Facebook in Europa, gar in Deutschland abheben? Wir werden sehen. Noch sind die meisten Europäer auf Facebook in der Experimentierphase.

Und Google? Wird der Entwicklung sicher auch nicht tatenlos zusehen.

Wir können uns auf ein paar interessante Jahre freuen.

Die Geschichte wiederholt sich nicht

Sommerloch beim Tagesspiegel. Trotzdem wollen auch die Wirtschaftsseiten gefüllt werden. Zum jüngsten Rekordstand des DAX darf deshalb der bekannte Börsenexperte Paulus Neef zu Wort kommen. Der einstige Gründer von Pixelpark warnt:

Die Menschen setzen jetzt alle auf steigende Kurse, das ist hoch gefährlich. Natürlich sind nicht alle Unternehmen überbewertet, aber der Trend zur Übertreibung ist wieder zu sehen.

Heißt das, Sie erwarten wieder einen Absturz wie nach dem Boomjahr 2000?

Ich will kein Schwarzmaler sein. Aber ich verstehe nicht, dass jetzt wieder Vollgas gegeben wird wie im Jahr 1999/2000 so als sei alles komplett vergessen. Ich erwarte tatsächlich eine Korrektur, aber wie hart sie ausfallen wird, steht in den Sternen.

Zweiter Akt. Stephan Randler, Leitender Redakteur von iBusiness, geht der Sache auf den Grund, greift die Steilvorlage auf und fragt an:

In einem aktuellen Interview warnt Paulus Neef im Zusammenhang mit Web 2.0 vor übertriebenden Erwartungen und erinnert an die Bubble 1.0. Was halten Sie von dieser Einschätzung? Besteht wirklich die Gefahr, dass sich die Geschichte der Jahre 1999/2000 nun wiederholt?

Ich bin kein Börsenexperte, aber wenigstens lese ich ab und zu Zeitung. Meine Antwort:

Ich kann nicht erkennen, dass der aktuelle Börsenaufschwung von Themen wie Web, Medien oder Technologie getrieben wäre. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu 1999/2000. Demnach fließen auch keine nennenswerten Erwartungen an Web 2.0 in die Börsenbewertungen ein.

Die neue Macht der Konsumenten im Web ist ein langfristiger Trend, dem weder der Hype 1999/2000 noch der übertriebene Absturz 2001/2003 etwas anhaben konnten. Nein, die Geschichte wiederholt sich nicht. Jedenfalls nicht genauso wie damals.

Focus on people

My advice – focus on people. The tech empowers people and it will change. Sites come and go. Excuse me while I update my Tripod page.

Edelman-Blogger Steve Rubel auf Twitter

Nebenbei bemerkt: Mindestens die Marke Tripod gibt es immer noch. Was die These bestätigt, dass auch im Internet das Rieplsche Gesetz gilt: Kein neues, höher entwickeltes Medium verdrängt ein altes vollständig, es verändert lediglich dessen Funktion.

Designed to be unproductive

8apps.com

Social networking is designed to be unproductive – except on 8apps.

Mit diesem griffigen Satz aus der Feder von mashable-Autor Pete Cashmore wirbt 8apps.com um Beta-Tester. Vor einem halben Jahr waren drei der schon im Namen angekündigten acht Anwendungen am Start, jetzt sind es vier:

  • Handshake, das social network
  • Orchestrate für Aufgabenlisten und dergleichen
  • Blueprint für Brainstormings
  • Pinpoint für Termine aller Art

8apps ist nach wie vor by invite only, aber der Fischmarkt hat weder Kosten noch Mühen gescheut und kann seine Leser einladen, solange der Vorrat reicht. Bitte einfach in den Kommentaren Interesse anmelden.

Der 8apps-Pionier im deutschen Sprachraum scheint Oliver Gassner zu sein, der allerdings auch noch nicht so genau weiß, was damit nun anzufangen wäre. Vielleicht könnte ich damit meine Arbeit organisieren?

8apps erinnert auf den ersten Blick an 37signals und die diversen Produktivitätswerkzeuge wie Basecamp, Highrise & Co. – allerdings mit dem Unterschied, dass hier alles auf einer Plattform stattfindet. Fehlt nur noch die Facebook-Anwendung.

Allerdings scheint die Entwicklung schon seit Monaten zu stagnieren: Der letzte Eintrag im 8apps-Blog datiert vom 1. März. Und auch bei den erkennbar durch 37signals inspirierten 8apps-Machern von Jonkenpon sind im März die Lichter ausgegangen.

Check it out, Google

Google Checkout Gadget

Ein schlummernder Riese im Reich des elektronischen Handels – das ist Google Checkout, lange erwartet und vor einem Jahr schließlich gestartet. Bis jetzt hat der universelle Bezahldienst von Google die Landschaft nicht grundlegend verändert. Das mag nun anders werden.

Denn Google hat in dieser Woche ein neues Gadget (so heißen Widgets bei Google) vorgestellt, das nicht mehr tut als die Top-Ten-Produkte anzuzeigen, die mit Google Checkout gekauft werden. Es sieht so harmlos aus, aber ist es auch harmlos? Get Elastic spekuliert nun, dass daraus ein echtes E-Commerce-Widget werden könnte.

Und mehr als das: Solche Gadgets könnten schon bald auf Suchergebnisseiten erscheinen – und damit dem Textanzeigengeschäft von Google eine völlig neue Dimension hinzufügen, nämlich die der Transaktion.

What does this mean for online retailers?

Wir werden sehen.

Blogger aller Länder, vereinigt euch

Sam Sethi, bis Dezember 2006 Chef von TechCrunch UK, hat blognation gestartet – eine TechCrunch-Kopie für alle möglichen Länder außerhalb der USA. Bis jetzt sind die Ausgaben für Großbritannien, Italien und Deutschland am Start. Für die deutsche Blognation schreibt Nicole Simon.

Gleich zum Start legt sie eine vehemente Analyse des Zustands der hiesigen Web-Szene vor:

Sadly not every German speaks good English and it’s only those who are comfortable with the English language who will regulary reach out to talk or write in the blogopshere.

So this is one of the main reasons why, instead of competing with the mainstream Web 2.0 applications, German entrepreneurs often create localised or “copy cat” sites to address the vast native German speaking audience.

Germany is an island which lacks fresh input from the outside.

Though VC money doesn’t flow as easily as in some other areas of the world, it is available, and Media companies invest heavily in Web 2.0 properties in order to transform their own products for an online world.

Sam Sethi schied im Dezember im Streit mit TechCrunch-Gründer Mike Arrington. TechCrunch UK hat sich davon bis heute nicht erholt, ein für Juni angekündiger Neustart lässt noch immer auf sich warten. Der Name blognation ist bestenfalls irreführend, denn es geht gar nicht nur um Blogs, aber wahrscheinlich war kein besserer Name frei.