Warum das Siri Business-Modell Android röstet – und auch für Apple eine riskante Wette ist

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Die letzten zwei Tage, habe ich mir die Frage gestellt, warum Siri für das iPhone 4S limitiert ist. Auf den ersten Blick scheint es Willkür zu sein. An den Hardware-Voraussetzungen kann es nicht liegen: das iPad 2 hat alles, was das neue iPhone ausmacht. Eine mögliche Erklärung: Apple will die für Siri notwendige Serverfarm mit der schrittweisen Markteinführung der Devices kontrolliert hochfahren.
Meine Vermutung ist allerdings eine andere: es sind die Kosten.
Wie ich bereits vor einigen Tagen beschrieben habe, ist der Kern von Siri keinesfalls die (erstaunlich gut funktionierende) Spracherkennung. Der Clou ist die dahinter liegende AI-Maschine. Bei jeder Frage an Siri findet im Hintergrund eine Kommunikation zwischen dem iPhone 4S und Apples zentraler Cloud statt.
Was kostet nun ein Siri-Dialog? Das weiss natürlich niemand außer Apple. Ich halte es aber für fair anzunehmen, dass ein Siri-Dialog ungefähr in der Kostenregion einer Google-Abfrage liegt. Hierfür gibt es einigermaßen plausible Schätzungen, welche die Kosten bei rund 1 ct sehen. Gegenprobe: Unternehmen, die Google als Onsite-Service nutzen wollen, zahlen 2 ct.
Ich halte also die Kosten von 1 ct für eine Siri-Anfrage eher für eine untere Schranke (vor allem wenn man bedenkt, dass Google 10 Jahre darin geübt ist, seine zentralen Data Center kostenseitig zu optimieren).
Und jetzt wird’s spannend. Wie viele Siri-Dialoge macht ein durchschnittlicher iPhone-Nutzer? Das wüsste Apple wohl auch gerne. Eine Modellrechnung: bei 10 Dialogen täglich ergeben sich 3.650 Dialoge im Jahr. Multipliziert mit 1ct macht das einen Kostenblock von $36 per anno. Bei einer Marge von 70% für das aktuelle iPhone über eine Nutzungsperiode von 3 Jahren kann das Apple locker wegstecken.
Und das ist ein Problem für Google und sein Android Eco-System. Google refinanziert Android mit seinen Mobile-Search-Einnahmen. Die belaufen sich aktuell bei rund $10 pro Jahr und Device. Weitere Erträge durch Lizenzen oder Hardware gibt es (bislang) nicht. Das ist am Ende durch die schiere Anzahl der Android-Devices eine Menge Geld – reicht aber bei Weitem nicht, einen Cloud-basierten Assistenz-Dienst wie Siri wirtschaftlich zu betreiben. Würde Google einen Siri-Clone starten, würde Google das mehr als $20 pro Endgerät und Jahr an Verlust einbringen und gleichzeitig verlieren sie textbasierten Adword-Umsatz. Auch hier macht’s wieder die Menge – nur mit umgekehrten Vorzeichen.
Wenn die Konsumenten Siri lieben werden, schafft es neben einem extrem starken Lock-in auch ein großes Problem für das Mobile-Geschäft von Google. Ein Cloud-basierter Assistenz-Dienst ist heute ohne die gigantische Hardware-Margen nicht finanzierbar. Und welcher Anbieter besitzt diese heute außer Apple?
Einen zu großen Erfolg für Siri kann Apple sich paradoxerweise aber auch nicht leisten. So lange die Serverkosten nicht wesentlich unter 1ct/Dialog sinken, würde Apple in arge Bedrängnis kommen, wenn statt 10 beispielsweise 100 Dialoge täglich zwischen iPhone und der Siri-Maschine stattfinden: die schönen Margen wären im Nu verzehrt. In diesem Fall müsste Apple sehr schnell beginnen, selbst ein eigenständiges Business-Modell für die Siri-Nutzung zu entwickeln.

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5 Comments

  1. „In diesem Fall müsste Apple sehr schnell beginnen, selbst ein eigenständiges Business-Modell für die Siri-Nutzung zu entwickeln.“
    Wäre dass denn so schwierig? Es ließe sich doch super über Affiliate-Programme refinanzieren? Befehl an Siri: „Suche mir die neuesten Kaffeemaschinen von x bei Amazon heraus“ -> Siri liefert und auf Wunsch dann ein Wechsel zu Amazon. Bei Bestellung erhält Apple die Provision oder es erfolgt eine Abrechnung pro Weiterleitung (anstelle eines Klicks á la Adwords). Fertig!
    Das ausgerollt auf Konzerttickets, Flug- und Hotelbuchung etcpp. dürfte Siri doch ausreichend refinanzieren. Wenn nicht gar noch „ein wenig“ Profit für Apple übrigbleibt.

  2. Bleiben so Fragen wie: Will 0815-nutzer wirklich mit seinem Telefon reden? Habe ich immer und überall ausreichend Internet um mein Sprachfoo drüber zu routen, nur um eine SMS zu schreiben? Will ich dass Apple die vollständigen Texte meiner SMS/E-Mails und co. hat? ..
    Ich behaupte: Nein. (Wobei Privatsphärenprobleme den meisten Nutzern zumindest am Arsch vorbei gehen, aber die rein praktischen Probleme werden dem Dienst ordentlich zu schaffen machen)
    Ich persönlich komm mir schon blöd vor, wenn ich im Laden stehe, auf eine Taste am BT-Kopfhörer drücke und anfange ins Telefon zu sprechen, das noch unabhängig von Sätzen wie „Siri, schreib SMS an Mutter, Inhalt: ‚lol'“

  3. Es gibt Siri ja auch schon als App fürs Android und das funktioniert nach erstem Auigenscheiun sehr gut.
    https://plus.google.com/116669319693586215736/posts/E4QE7Y63t7u

  4. Nuance macht im Moment die Spracherkennnung ganz für lau. Und die haben überhaupt keine Einnahmen … Daher würde ich vermuten, dass das 1cent zu hoch gegriffen sind. Nuance wäre sonst wohl schon pleite 😉
    Das Business Modell ist dagegen für Apple ganz einfach: Alle, die per Schnittstelle was an Siri liefern, müssen zahlen bzw. was von ihren Provisionen abgeben: Hotelbuchung, Pizzabestellung, Taxiruf, etc. pp. Ich kann mir richtig vorstellen, wie sich die ganzen konkurrierenden Dienste gegenseitig überbieten, um an die Siri-Cloud Daten liefern zu dürfen.
    (Übrigens ist Siri der Frontalangriff auf Googles Mobilsuche … Aber das ist ein anderer Aspekt).

  5. Warum sollte Siri Google gefährden?? Ernsthafte Suchanfragen wird auch Siri nicht allein durch Sprache beantworten. Die Suche wird Siri dann auch über Google durchführen…. oder einen Konkurrenten, denn was Siri nicht ist, ist eine Suchmaschine. Google leistet sich Spracherkennung mit breiter Plattform schon heute (Webseiten, Android-Plattform etc.) und die reine Auswertung der erkannten Texte ist ehrlich gesagt hinterher reine Textbearbeitung und Bewertung. Dies leistet sich google mit so kostenlosen Diensten wie Guru auch schon. Nimm eine Mini-App die einen Button liefert für Spracherkennung, das Ergebnis an Guru schickt und die Antwort vorliest, schon hast du den Such-Part von Siri. Sicher nicht so hübsch, aber mit dem selben Ergebnis. Die Integration bei z.B. Kalender etc. hat übrigens Android heute auch schon, neu sind nur so Features wie: „der Termin ist schon belegt“…etc. aber alles auch eine Frage der NACHFRAGE…. denn mal ehrlich, wer nutzt das schon. Da wo ich es nutzen würde (im Auto) ist bei beiden System zumindest bei mir die Erkennung nicht gut genug, wenn ich nicht gerade ein Headset benutze, und im öffentlichen Leben werde ich ein Teufel tun und so etwas wie Siri benutzen. Es kann ja selbst jetzt schon mal peinlich werden, wenn man den Automodus noch an hat und das Handy neben dem klingeln einem noch schön erzählt wer gerade anruft…

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