Mit dem Logo gewinnen

Wwtlpcam_1Seit gestern ist nun die neue "Winning with the Logo"-Kampagne der Deutschen Bank gern gesehener Gast im Werbeblock. Wie ich finde, ein sehr schönes Beispiel für den Trend, dass Marken immer direkter werden. Auch wenn dieses vielleicht nicht primär mit der Kampagne beabsichtigt war: Marke und Kunde sind die eigentlichen Heros des neuen Auftritts; die Mittler verschwinden. Als typischer Kunde der Blauen nutze ich dreimal die Woche die Website, einmal den SB-Automaten – und meine Heimatfiliale habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.

Click and Mortar – Die nächste Generation

Erinnert sich jemand an die Zeiten, als libri.de noch eine Innovation war? Damals ging es darum, dem stationären Buchhandel ein Fenster zum E-Commerce zu öffnen. Und nach wie vor bietet Libri die Möglichkeit, bestellte Bücher beim lokalen Buchhändler abzuholen und so die sonst vielfach fälligen Versandkosten zu sparen (was natürlich unattraktiv ist, solange Amazon Bücher kostenfrei versendet).

Nun gibt es aber tatsächlich einen Vorteil des Buchladens, den kein Online-Shop bieten kann: Er hält stets ein Sortiment vorrätig. Ist mein gewünschtes Buch im Laden vorhanden, kann ich es sofort kaufen, abholen und lesen. Es gibt durchaus Buchkäufer, die dies zu schätzen wissen.

Was wäre nun, wenn ich im Internet recherchieren könnte, ob mein gesuchtes Buch in einem nahe gelegenen Buchladen im Regal steht? Ich würde den Laden aufsuchen und dort kaufen! Jedenfalls, wenn es eilig wäre. Genau diesen Service bietet die US-Buchkette Borders, die ironischerweise eine Partnerschaft mit Amazon unterhält. Leider ist die Inventory Search auf der Website praktisch nicht aufzufinden, wie Eric G. Myers zu Recht beklagt.

Was Myers, der sich hauptberuflich mit Web-Strategie, -Management und -Design befasst, über sein Buchkonsumverhalten schreibt, ist Pflichtlektüre für jeden E-Commerce-Verantwortlichen im Buchhandel. In Deutschland kenne ich etwas mit der Inventory Search Vergleichbares bislang nur im antiquarischen Bereich: bei zvab.com (das übrigens von Mediantis betrieben wird, ehemals buecher.de) und abebooks.de. Aber das ist ja ein völlig anderes Geschäft.

Flagship-Stores (1): Der Fall Adidas

Adidas eröffnet demnächst ein Adidas Performance Centre auf der Zeil in Frankfurt. Werbewunderland hat das Plakat, mit dem die Eröffnung beworben wird. Der wirklich grauenhaften Website von Adidas ist zu entnehmen, dass der neue Flagship-Store der fünfte seiner Art in Deutschland sein dürfte.

Adidas betreibt in Berlin, Köln und München sogenannte Adidas Originals Stores und einen Adidas Concept Store in Nürnberg. Ein weiteres Adidas Performance Center ist für Stuttgart annonciert (und die Schreibweise auf der Website in der Tat unterschiedlich: Centre in Frankfurt, Center in Stuttgart).

Und wo bleibt der Flagship-Store im Internet? Fehlanzeige. Adidas-Produkte gibt es laut Website im Champions Store der UEFA, bei Sport Scheck, bei Otto und bei All Blacks. Und natürlich bei Ebay, aber das wird den markenbewussten Strategen in Herzogenaurach wahrscheinlich nicht so sehr gefallen.

Markenerlebnisse

AdAge hat einen Artikel [kostenlose Registrierung erforderlich] über die keinesfalls neue, aber nach wie vor aktuelle Frage, ob der Massenmarkt tot sei. Rance Crain vertritt darin die These, dass dem keinesfalls so sei. Vielmehr seien die Agenturen schlicht nicht mehr kreativ genug, um klassische Werbung zu machen, die auch verkauft.

Kann sein. Brand Noise allerdings sieht die Sache etwas anders:

The new age of advertising has to leverage a "pull model".  The bad  in advertising  is pushing ideas into new channels without a sense of what value they have in the arenas people interact with them.  An old "push media" approach to emerging channels. We need to be seeking functioning brand experiences with consumers.  Brands that do – not just say. Great traditional creative can certainly play a role in this.  The question is how well we are orchestrating the "whole picture" to make the brand authentic and invited.

So ist es. Und an dieser Stelle sind klassische Agenturnetzwerke meistens völlig überfordert. Aber nicht, weil es ihnen an der nötigen Kreativität mangelt.

Sind alle Markthändler Lügner?

Godin Seth Godin erinnert physiognomisch ja doch ein wenig an Holger Jung. 😉 Aber Scherz beiseite. Im Mai erscheint sein neues Buch All Marketers are Liars. Eine schwere Anschuldigung, die wir Fischmarkthändler natürlich nicht auf uns sitzen lassen können.

Godin nutzt für die Promotion ein separates Blog neben seinem regulären Blog (den Hinweis verdanke ich Bjoern Ognibeni, der seine Selbstbeschreibung mit dem gleichen Zitat aus dem Cluetrain Manifesto beginnt wie der Fischmarkt – wir haben das nicht von ihm geklaut, ganz sicher…). Das Blog ist eine recht anregende Lektüre.

Sein aktuell neuester Eintrag bezichtigt den Designer Milton Glaser der Lüge. Man weiß nicht ganz genau, wieviel davon augenzwinkernd zu betrachten und was ernst gemeint ist.

Aber vielleicht ist die Assoziation mit Holger Jung doch nicht so ganz falsch. Schließlich stammt aus seiner Agentur der berühmte Saturn-Slogan "Geiz ist geil", der seinerzeit in der Werberzunft mit überaus gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Erst jüngst So distanzierte sich Erik Spiekermann in einem Interview mit deutlichen Worten davon.

Geiz ist geil ist tatsächlich eine Lüge im Sinne Godins. Der Spruch kombiniert auf geniale Weise zwei Todsünden – Geiz und Wollust. Allerdings spielt er mit der Umwertung des immer schon ambivalenten Adjektives geil. Diese Neuinterpretation erst hat das Wort aus seinem sexuellen Kontext entlassen und es so ermöglicht, den Slogan auch anders als reine Obszönität zu lesen.