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Das offene Verzeichnis

StudiVZ-Testwoche auf dem Fischmarkt. Der dritte Tag.

Warum ist denn Dein Profil privat, wurde ich gestern gefragt. Das kannte ich so von Facebook, war meine Antwort.

Mein Profil dort ist nur für meine 66 Friends und meine beiden Networks sichtbar, also für die immerhin 54.536 Mitglieder im Network Germany und die 571 Mitglieder im Network FU Berlin. StudiVZ kennt gar keine Networks, wie ich sie von Facebook kenne. Die Suche nach „FU Berlin“ liefert ungefähr 299 Treffer, aber das können ja nicht alle sein. Oder?

Fischmarkt testet StudiVZ

Heute morgen habe ich mein StudiVZ-Profil wieder geöffnet. Das scheint dort die Grunderwartung zu sein – alles ist offen. StudiVZ bietet sehr viel geringere Möglichkeiten für die Konfiguration der Privatsphäre als Facebook:

  • Die Kontaktdaten sind immer nur für Freunde sichtbar. Nicht einstellbar.
  • Ich kann einstellen, ob ich als Besucher auf den Seiten anderer Leute sichtbar sein will oder nicht. Das kann ich bei Facebook gar nicht sehen und also auch nicht einstellen.
  • Will ich auf der Startseite anderer Nutzer mit meinem Profil vorgestellt werden?
  • Und wird mein Onlinestatus angezeigt oder nicht, können also andere sehen, ob ich gerade im StudiVZ unterwegs bin?
  • Außerdem kann ich andere Nutzer ignorieren.

Das ist alles. Verglichen damit habe ich bei Facebook detaillierte Möglichkeiten, den Grad meiner Öffentlichkeit zu bestimmen. Facebook ist auch in diesem Punkt sehr viel komplexer und weiter fortgeschritten als StudiVZ.

StudiVZ gibt mir mit einer simplen Anmeldung im Prinzip fast uneingeschränkten Zugriff auf alle Profile. Es ist also eher eine Art Telefonbuch, eben ein Verzeichnis im Wortsinn, und ein Micropublishing-Werkzeug für eine definierte Zielgruppe.

Mich erstaunt, dass StudiVZ nach den Debatten der letzten zehn Monate in Sachen Privatsphäre nicht sehr viel von Facebook gelernt hat. Die Plattform fasst sich auch in diesem Punkt sehr viel gröber an als ihr großes Vorbild. Das mag Gründe haben, die ich noch nicht kenne. Aber es bleibt doch bemerkenswert.

Menschensuchmaschine

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„Wir sind nur auf Menschen ausgerichtet,“ sagt Jay Bhatti, Mitbegründer von spock.com – dann ist ja gut! Die neue Suchmaschine fischt in sozialen Netzwerken wie Facebook, Xing oder Myspace gezielt nach Daten über Menschen und will bislang rund 100 Millionen von ihnen indiziert haben.
Auch Nutzer können der Internetseite Informationen hinzufügen – über sich oder andere. So erstellt spock.com die einzelnen Profile, und da wird es noch interessanter: „Wir versuchen, die Leute zu indexieren – aber die Maschine reicht nicht aus, um alle Daten zu interpretieren.“ Ach so, und wenn jemand falsche Informationen über jemanden schreibt? Gefälschte Profile wird es natürlich nicht geben, weil die Suchmaschinen-Nutzer Bewertungen abgeben können. Und ein Filter wird selbstverständlich dafür sorgen, dass keine Falschinformationen in den Ergebnissen zu finden sind. Wie das gehen soll, bleibt wirklich zu beweisen.
Außerdem löscht spock.com ja meine Daten, wenn ich das will – aber sie müssen dann auch von allen anderen Social-Plattformen gelöscht werden. Dolle Sache.
Aber ist ja alles gar nicht so schlimm: Letztendlich werden die meisten Informationen im Internet sowieso von den Betroffenen selber veröffentlicht, meint Bhatti. Dann ist ja alles gut. Sage ich doch.
AFP via Focus

Facebook und die deutschen Social Networks

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Vor einiger Zeit öffnete sich Facebook, als reines Studentennetzwerk einst „Inspiration“ für das deutsche StudiVZ, der Allgemeinheit und bot kurz danach jedem die Möglichkeit, eigene Anwendungen in die Plattform zu integrieren. Die Idee ist nicht neu und doch revolutionär. Facebook könnte für Social Networks das werden, was das Internet für Online-Dienste war: der Durchbruch bei der breiten Masse mit einem (halbwegs) offenen Angebot, reich an Diensten, um die sich der Betreiber nicht selber kümmern muss – „User Generated Platform“ oder: das Social-Networking-Betriebssystem. Momentan gibt es zwar noch keine wirklich spannenden Anwendungen, die einen vom Hocker hauen würden – aber das ist nur eine Frage der Zeit.
Was heißt das für die deutschen Social Networks?
Xing muss sich meiner Meinung nach erstmal keine großen Sorgen machen, denn Facebook ist sehr auf Freizeit fixiert, auf Freunde, auf Spaß, auf Kommilitonen – das ganze Umfeld ist zu wenig „seriös“ für „Business Networking“. Es wäre zwar sicher kein Problem, die Funktionalitäten von Xing in Facebook zu integrieren, ob jetzt durch Facebook, durch einen ambitionierten Entwickler auf eigene Faust oder gar durch Xing selbst, aber ob sich das in dem Umfeld durchsetzen würde – ich wage es zu bezweifeln. Die Plattformen sollten eher versuchen, einen Standard für die Abbildung von Netzwerken zu schaffen, um Kontakte nicht parallel pflegen zu müssen.
Mehr Sorgen muss sich da schon StudiVZ machen – die haben eine ähnliche Zielgruppe und hinken technisch mittlerweile ganz schön hinter Facebook her. Aber sie haben in Deutschland den Großteil der Studenten auf der Plattform, und der wird nicht so schnell geschlossen wechseln. Wenn Facebook auf Deutsch kommt, werden wir sehen, was passiert. Es wird spannend.

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