Fünfmal WLAN

Mal eine technische Durchsage: Der eine oder die andere klagt über WLAN-Probleme. Unsere Admins sind dran. An sich sollte alles laufen, höre ich. Es gibt insgesamt fünf WLAN-Router für next10years in der Halle.
Ich selbst bin heute eher analog verkabelt. (Daran erkennt man sofort und ohne jedes Tag meine Unwichtigkeit.) Kollegen machen sinnreiche Witze.
Ach so, und Steckdosen: Ich habe heute vormittag bei allen vier Tracks und auch unten in der Halle mindestens je zwei Mehrfachsteckdosenreihen installiert. Die sind vielleicht etwas schlecht zu sehen vor lauter Menschen, aber sie sind da. 🙂

Dem Zufall auf die Sprünge geholfen

Noch vier Stunden.

Unsere Halle hat sich in eine Kongress- und Party-Location verwandelt. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber auf diese Idee – hier Kongresse und Partys zu veranstalten – hätten wir auch schon früher kommen können.

Martin Ax macht uns heute in der Welt ein Geburtstagsgeschenk:

Glauben Sie an Zufälle? Dann sollten Sie dies lesen: Es waren einmal zwei Internet-Firmen in der Medienstadt Hamburg. Die eine, Sinner Schrader AG, ging 1999 an die Börse, schöpfte den Höhenflug der New Economy voll aus und stürzte mit in die Krise: 2001 hatte sie 280 Mitarbeiter – und Aufträge nur für 150. Sie mußte sich gesundschrumpfen, mit Konzentration aufs Kerngeschäft neu beginnen.

Wie die andere Firma heißt, die übrigens morgen feiert, und wie die Geschichte weitergeht, steht in der Welt. (Im letzten Satz erfährt der geneigte Leser, wie dem Zufall auf die Sprünge zu helfen ist.)

Computersozialisierung bei Horten

Teil 1 der mehrteiligen Serie zum zwanzigjährigen Bestehen der Page und zum zehnjährigen Bestehen von SinnerSchrader
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1986 erschien die Erstausgabe der PAGE und ich kaufte mir einen Atari ST, genauer einen Atari 1040STF. Shiraz Shivji, der vorher schon mit dem Commodore 64 den erfolgreichsten Homecomputer aller Zeit entwickelte, hatte zusammen mit sechs weiteren Ingenieuren im Jahr zuvor innerhalb von fünf Monaten das Kunststück vollbracht, einen modernen Prozessor (den Motorola 68000er) mit einem akzeptablen Betriebssystem inklusiver grafischer Benutzeroberfläche (GEM von Digital Research) zu einem unschlagbaren Preis von unter 1.500 DM zu verdrahten. Das entsprach einer Summe, die für einen Schüler in den 80er Jahren in sechs Wochen Sommerferien gerade noch erjobbar war.
Neben dem Preis hatte der Atari ST aber weitere Features, die für mich magische Anziehungskraft besaßen: Da war zum einen sein hochauflösender und flimmerfreier Monochrombildschirm, vor dem man nächtelang sitzen konnte ohne an Augenkrebs zu erkranken, zudem besaß er eine schnelle RS232-Modemschnittstelle – und es war gerade Signum2 erschienen. Dazu muss ich weiter ausholen.
Meine Computersozialisierung fand, wie bei nicht wenigen meiner Generation, im Kaufhaus statt. Genauer bei Horten in der Hamburger Mönckebergstraße, 3. Etage. Dort, wo heute Saturn Espresso-Vollautomaten verkauft. Meine LCD-Armbanduhr von Tchibo signalisierte das Jahr 1982 und die Jungs, die so wie ich zuwenig Verabredungen und zu viele Pickel hatten, trafen sich nach der Schule in den Computerabteilungen der großen Kaufhäuser, um Software zu tauschen. Wir hatten alle unser Konfirmationsgeld in Heimcomputer von Atari, Commodore oder Sinclair gesteckt, und die Kisten brauchten Futter. Das Abtippen von Listings aus Computerzeitschriften fanden wir doof und so kopierten wir, was das Zeug hielt.
Praktischerweise konnten wir hierzu die Rechner aus den Verkaufsausstellungen nutzen, wenn wir für die Verkäufer eine Kopie mitzogen. Ich hatte damals einen VC20, ein Dutzend Schuhkartons voller Tapes (Disketten kamen erst später), und das Netzwerk meiner Tauschfreunde verteilte sich schnell über die ganze Republik. Zur Portofinanzierung kopierte man gegen eine amtliche Aufwandsentschädigung gelegentlich ein Tape für ein paar Landeier und Erwachsene mit. Erst viel später entwickelte ich deswegen flüchtige Gewissenbisse, als ich durch Google erfuhr, dass die Programmierer meiner Lieblingsspiele, Tom Griner („Shamus“) und Jeff Minter („Return of the Mutant Camels“), damals selbst noch zur Schule gingen.
Die Weihnachtstage des Jahres 1983 zerstörten unser Netzwerk über Nacht. Der C64 wurde als VC20-Nachfolger zu „dem“ Weihnachtsgeschenk der Saison: Eine ganze Elterngeneration hatte es sich offenbar vorgenommen, ihre Kinder am Vorabend des Orwell-Jahres fit für das Computerzeitalter zu machen. Der C64 wurde zum mainstreamigen Popper-Computer. Im Frühjahr 1984 schwenkte dann die zersplitterte und gedemütigte Homecomputer-Szene mangels Alternativen auf den C64 um. Software gab’s plötzlich auf dem Schulhof im Überfluss, unsere Kopiererszene verflüchtigte sich.
Fortsetzung folgt

XXL

Noch ein Tag.
Gestern hat in der Halle der Aufbau begonnen. Der wird bei den Kollegen an den Werkbänken (nicht zu Unrecht) als störend empfunden, da er mit Geräusch verbunden. Doch ändern lässt sich das trotzdem nicht.
Das Thema Lärm hat uns hier in der Gasstraße von Anfang an beschäftigt. Aber jetzt wissen wir endlich, wozu SinnerSchrader damals diese 6.000 Quadratmeter gemietet hat – um einen würdigen Rahmen für die Zehnjahresfeier zu haben.
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Heute erscheint die große Jubiläumsausgabe der Page, die ziemlich genau zehn Jahre älter als SinnerSchrader ist.

1986 fing alles an: Mit dem Mac Plus, dem LaserWriter und Aldus PageMaker war die Idee des Desktop Publishings geboren, PAGE machte sich ans Werk und schon sind wir mittendrin in der Revolution, die die Kreativ- und Medienbranche bis heute in Atem hält.
In unserer großen Jubiläumsausgabe PAGE XXL werfen wir den Blick zurück nach vorn – Protagonisten und Pioniere resümieren und revidieren, Visionäre und Trendsetter proklamieren die Ideen von Morgen – denn mit Web 2.0, MIP TV, Triple Play & Co stehen uns die größten Umwälzungen noch bevor. Join the Revolution!

Matthias Schrader, seinerzeit Autor der Zeitschrift, hat seine 2c dazu beigesteuert. Das Manuscript (Arbeitstitel: Wie alles anfing) musste für den Druck etwas gekürzt werden. Den Lesern des Fischmarktes möchten wir den Text in voller Länge nicht vorenthalten.
Freuen wir uns auf den heute erscheinenden ersten Teil der Serie. In Kürze hier auf dem Fischmarkt. Vorhang auf!

Sozialer Kommerz

Noch zwei Tage.

Gestern habe ich mich fast den ganzen Nachmittag durch Tausende von Mails gewühlt, um allerlei Ummeldungen („statt Herrn X kommt jetzt Frau Y“) und dergleichen sauber in eine Tabelle zu übertragen. Als ich damit fertig war, habe ich die Datei ruckzuck überschrieben. Super.

Etsy
In diesem Wahn ist mir dann auch noch entgangen, dass Holger Schmidt, der Track III moderieren wird, in der FAZ „sehr eindrucksvoll und kompetent“ über unseren Kongress berichtet hat, ohne ihn zu erwähnen. Genannt werden hingegen Etsy und spreadshirt, die Shoposphere und Volker Glaeser von Yahoo, die Autorenblogs von Amazon, Jochen Krisch und Exciting Commerce, die Internet World Business, das Cluetrain-Manifest, ein mir unbekanntes und nicht auffindbares Lufthansa-Blog, Procter & Gamble sowie Nestlé.

Ich kann mich der Empfehlung von Jochen Krisch nur anschließen: Lesen!

Kongress-Coverage

Noch drei Tage.

Wie erfährt der Rest der Welt am Donnerstag, was auf dem Kongress geschieht?

  • Oliver Gassner hat angekündigt, live zu bloggen. Weitere Liveblogger sind willkommen!
  • Alle Vorträge und Panels werden von uns in Bild und Ton aufgezeichnet und nach dem Kongress auf der Website veröffentlicht.
  • Unser Fotograf wird alle Bilder während des Tages bei 23 veröffentlichen.
  • In der Halle, so hat es Christian Kraemer versprochen, seines Zeichens Leiter von SinnerSchrader Betrieb, wird ein offenes WLAN installiert.
  • Wir werden Mehrfachsteckdosen installieren, wo immer das möglich ist, damit kein mobiles Endgerät ohne Saft bleiben muss.




Danke, Hal!

Hal Faber alias Detlef Borchers heist den Kongress:

Was wird.

Am Weltlachtag darf natürlich nicht der Blick auf das Internet fehlen, das sage und schreibe von 321 wichtigen Trends dominiert wird. Und wer Berlin nicht mag, sollte halt mit seinem Opel oder Lada nach Hamburg gurken, wo die Next 10 Years belobhudelt werden, die Jahre mit den interaktiven Frontends im geilen Web 2.0. Wenn man den Blödsinn verkündet, dass Deutschland Weltmeister wird oder das Internet zu sich selbst findet. Wichsen ist nach Dr. Freud eine Kulturleistung, die genossen werden will. Segeln also die Vordenker dahin, vom „read-only zum writable Web“, angespornt von einem Eunuchen, der sein Credo verkündet: „Wir wissen nichts, aber wir können es messen.“

Wir auch:

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Britische Dialektik

„Why the days of e-commerce are over“, erklärt uns Tim Weber auf BBC News, das just – zu unserem und Jochen Krischs Schrecken – seine Rubrik „E-Commerce“ abgeschafft hat.

Today, the word „e-commerce“ itself sounds slightly outdated – circa 1999.

Das dialektische Fazit am Schluss:

E-commerce is everywhere.

Mist. Wir brauchen einen neuen Claim.